Stanley Mills

Der Lärm der Web- und Krempelmaschinen macht jede normale Unterhaltung unmöglich. Die Frauen, die die Maschinen bedienen, verständigen sich deshalb per Zeichensprache. Die verstehen auch die Kinder, zu deren Aufgaben es gehört, unter die laufenden Maschinen zu kriechen, um sie zu reinigen…

Stanley Mills ist einer der ältesten Fabrikkomplexe in Schottland – und bestens erhalten obendrein. Audio-visuelle Installationen simulieren den ehemaligen Werksbetrieb hautnah und führen direkt zurück zu den Anfängen der Industriellen Revolution. Bei ihrem Rundgang lernen die Besucher unter anderem den englischen Baumwollbaron Richard Arkwright kennen, der als Vater des Fabriksystems gilt und Stanley Mills 1786 errichtete. Sie begegnen aber auch den vielen Frauen und Kindern, die jahrzehntelang die Mehrheit der Belegschaft ausmachten, weil sie billige Arbeitskräfte waren. Und sie erfahren eine Menge über die Nutzung der Wasserkraft – auf ganz handfeste Weise. Dabei helfen ihnen Experimentierstationen, in denen sie etwa unterschiedliche Bauarten von Wasserrädern ausprobieren können oder lernen, die Kraftübertragung durch die Aktivierung größerer oder kleinerer Zahnräder zu steuern. Am Ende ist klar: Diese Fabrik ist kein Museum, sie lebt!

Geschichte

13 Stunden lang war der Arbeitstag in der Textilfabrik Stanley Mills, auch für Kinder: von halb sechs Uhr morgens bis sieben Uhr abends, jeweils mit einer 45-minütigen Pause für Frühstück und Mittagessen. 1833 besuchte eine parlamentarische Untersuchungskommission den Standort. Danach erließ die Regierung ein Gesetz, das Kinderarbeit unter neun Jahren verbot und für nachmittags den Besuch einer Werksschule vorschrieb.

Stanley Mills liegt in einer Flussschleife des Tay und bot aufgrund der starken Strömung ideale Bedingungen für den Betrieb einer Fabrik. Die Arbeitsbedingungen waren, wie zu jener Zeit üblich, hart und von Ausbeutung geprägt. Andererseits bot die eigens errichtete Werkssiedlung mit ihren Steinhäusern eine für damalige Verhältnisse überdurchschnittliche Wohnqualität. 1795 beschäftigte der Standort 350 Menschen, darunter 300 Frauen und Kinder. Bell Mill, die erste der drei vor Ort entstandenen Fabriken, hat seit ihrer Errichtung durch Richard Arkwright 1786 nur wenige Veränderungen erfahren. Die anderen Hauptgebäude, East Mill und Mid Mill, entstanden ab etwa 1800. 1848 sorgte der damalige Besitzer George Buchanan für den Anschluss der Fabrik an das Eisenbahnnetz, was den Transport der Rohbaumwolle aus Glasgow deutlich vereinfachte. Eine noch folgenreichere Innovation war 1876 die Umstellung von Wasserrad- auf Turbinenantrieb. Das machte die Produktion unabhängig von den häufigen Hochwassern, die das Werk zuvor bis zu 50 Tage pro Jahr lahmgelegt hatten. Etwa zeitgleich wurde ein neues Produkt eingeführt: robuste Transmissionsriemen aus Baumwolle, die auch die Maschinen in Stanley Mills antrieben und fortan in alle Welt exportiert wurden. 1989 endete die Produktion – nach mehr als 200 Jahren. Heute gilt der Standort als eines der besterhaltenen Zeugnisse der Industriellen Revolution. Historic Scotland hat einen Teil der Anlage zu Apartments umgebaut. Bell Mill dagegen empfängt seine Besucher seit 2008 mit einer spannenden interaktiven Ausstellung zur lokalen Industriegeschichte.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:1,5 Stunden
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

April bis September:
täglich 09.30-17.30 Uhr

Oktober:
täglich 10.00-16.00 Uhr

November bis März:
geschlossen

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