Sphinxquartier

Wie hat die Industrialisierung die Städte des 19. Jahrhunderts verändert? Das weitläufige Sphinxquartier zeigt diese Verwandlung in Form einer Vielzahl von Fabriken und Werksgebäuden, die sich dank Umnutzung mehr und mehr zum kulturellen Hotspot Maastrichts entwickeln. Dominiert wird das Viertel von der 1929 gebauten ehemaligen Fabrik für Sanitärkeramik De Sphinx, deren Vorläufer auf den Industriepionier Petrus Regout zurückgehen. Die monumentalen Ausmaße des Industriebaus und seine Stahlskelettbauweise haben dem Industriebau den Spitznamen „Eiffel“ eingebracht - in Anlehnung an den Eiffelturm. Er beherbergt unter anderem die kostenlos zugängliche Sphinxpassage, das mit 120 Metern längste Fliesenbild der Niederlande, das auf 30.000 beschrifteten und bebilderten Fliesen die Geschichte der rund 200-jährigen Keramikproduktion Maastrichts erzählt. Den Rest des Gebäudes teilen sich ein Studentenwohnheim, Büros, Lofts, ein Restaurant, eine Rooftop-Bar und ein Öko-Supermarkt. Gleich nebenan liegt das Bassin, der 1826 angelegte älteste Industriehafen der Stadt. Weitere Highlights des Viertels sind das ehemalige Kraftwerk der Firma De Sphinx, heute ein Kino, außerdem die immer noch als Papiermühle genutzte Lomelefabriek und vor allem der ausgedehnte Frontenpark in Maastrichts ehemaligen Wallanlagen.

Geschichte

Maastricht ist bekannt für seine Altstadt aus dem 17. Jahrhundert. Dass es hier auch ein reiches industrielles Erbe gibt, wissen die wenigsten. Das Sphinxquartier will das ändern. Seinen Namen verdankt das Viertel dem Industrie-Imperium des findigen Unternehmers Petrus Regout. Das nahm 1834 in einer Glasfabrik seinen Anfang und feierte seine größten Erfolge in der zwei Jahre darauf begonnenen Keramikproduktion, die später unter dem Markennamen De Sphinx firmierte. Zu jener Zeit entwickelte sich Maastricht zur ersten Industriestadt der Niederlande. Aus Sicherheitsgründen hatten sich alle Industriebetriebe innerhalb der Festungsmauern anzusiedeln. Von zentraler Bedeutung war in diesem Zusammenhang das Bassin, ein Hafenbecken, das das Ende des 1826 fertiggestellten Zuid-Willemsvaart-Kanals markierte und rasch zum Mittelpunkt des aufblühenden Industriegebiets avancierte. Dabei spielten die Fabriken des Petrus Regout eine entscheidende Rolle. Um die Beleuchtung seiner diversen Werke sicherzustellen, baute er 1848 sogar ein eigenes Gaswerk. Der zweite bedeutende Industriezweig Maastrichts, die Papierherstellung, fasste 1850 Fuß. Im selben Jahr verband ein weiterer Kanal die Stadt mit der belgischen Industriemetropole Lüttich, 1856 gefolgt von dem Anschluss an das Eisenbahnnetz. Das Bassin ist heute immer noch in Gebrauch, auch wenn dort mittlerweile statt Frachtschiffen Privatyachten vor Anker liegen. Die Aufgabe der Verteidigungsanlagen 1867 war der Startschuss für die Ausbreitung des Industriegebiets über die Stadtmauern hinweg. 2001 beschloss der Maastrichter Stadtrat, das zentrumsnah gelegene Sphinxquartier städtebaulich zu entwickeln und seine historisch gewachsenen Industriedenkmäler zugänglich zu machen, etwa in Gestalt der Sphinxpassage. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, doch schon jetzt zeigt sich, was die Stärke des Viertels ausmacht: Es kombiniert facettenreiche Industriekultur, laufende Produktion und vielfältige Kultur- und Freizeitangebote mit attraktiven Erholungsmöglichkeiten im naturbelassenen Frontenpark.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:2 Stunden
Dauer einer geführten Tour:90 Minuten
Eintritt:frei
Barrierefreier Zugang:vollständig
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja

Das Sphinxquartier ist jederzeit frei zugänglich.

Sphinxpassage
täglich 08.00-18.00 Uhr

  • Führungen möglich

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