Royal Gunpowder Mills

Salpeter, Holzkohle, Schwefel: eine explosive Mischung. Als Schießpulver hat sie die Welt verändert. Dabei leisteten die Royal Gunpowder Mills tatkräftige Hilfe. 300 Jahre lang erforschte und produzierte das Werk bei Waltham Abbey im englischen Essex so ziemlich alles, was kontrolliert knallte – unter strengster Geheimhaltung, versteht sich. Das macht den besonderen Reiz dieser Anlage aus, die heute ein Museum ist: Sie liegt versteckt mitten in der schönsten Natur. Zur ersten Orientierung dient eine multimediale Ausstellungshalle. Da geht es um die Geschichte des Ortes und darum, was die Wissenschaftler hier so alles erfunden haben. Wer will, kann selbst den weißen Kittel überstreifen und am interaktiven Computer die eine oder andere Explosion erzeugen. Der Rest des weitläufigen Geländes – darunter das ausgedehnte Kanal- und Schienennetz und ein zwölf Meter tiefes Becken für Wasserbombentests – läßt sich am besten auf einer Rundfahrt im Traktorhänger entdecken. Auch eine Schußwaffensammlung fehlt nicht. Denn so idyllisch der Ort heute ist: Er macht keinen Hehl daraus, daß ein Großteil seiner Produkte in die Waffen- und Rüstungsindustrie ging.

Geschichte

Am 27. Mai 1861 gab es eine ohrenbetäubende Detonation. Als sich der Rauch lichtete, lagen die Pulvermühlen der Royal Gunpowder Mills in Schutt und Asche. Dabei waren sie erst vier Jahre zuvor angeschafft worden: die ersten dampfgetriebenen Mühlen des Ortes. Seit etwa 1660 produzierte das Werk bei Waltham Abbey Schießpulver: Salpeter, Holzkohle und Schwefel wurden in einer Reihe von Prozessen gemahlen, gepreßt, getrocknet und gekörnt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Krone dafür interessierte. 1787 übernahm sie den Privatbetrieb und machte ihn zur wichtigsten Pulverfabrik Großbritanniens – gerade noch rechtzeitig, bevor Napoleon seinen Schatten auf Europa warf. Überhaupt sind es die Kriege, die die Geschichte der Royal Gunpowder Mills nachhaltig geprägt haben. Die meisten noch erhaltenen Gebäude stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals tobte der heute weithin vergessene Krimkrieg, der Historikern als erster industrieller Krieg gilt – eine Materialschlacht mit hohen Verlusten an Soldaten und Ausrüstung. Das katapultierte die Schießpulverproduktion von Waltham Abbey auf bis dahin ungeahnte Rekordhöhen. Daneben gab es Versuche mit Schießbaumwolle und Nitroglycerin. In den 1880er Jahren entwickelten örtliche Wissenschaftler den chemischen Explosivstoff Kordit, mit dem die britische Armee im Ersten Weltkrieg millionenfach ihre Geschosse abfeuerte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion ausgelagert, um der Bedrohung durch Fliegerangriffe zu entgehen. Nach 1945 entstanden auf dem Gelände verschiedene Laboratorien, die unter anderem in der Raketenforschung tätig waren. Dies alles veränderte das Gesicht der Gesamtanlage kaum: Charakteristisch war und ist der große Abstand der einzelnen Gebäude zueinander, um die Schäden bei einer Explosion so gering wie möglich zu halten. 1991 gab das britische Verteidigungsministerium den Standort auf. Heute ist hier eine vielfältige Natur zu Hause – und ein einzigartiges Museum.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:2-3 Stunden
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

Mai bis Oktober:

Samstag, Sonntag, Feiertage 11.00-17.00 Uhr

(letzter Einlass 15.30 Uhr)

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