Regionalmuseum Leon Wyczolkowski | Exploseum

Streng geheim und hochexplosiv: Die Welt, die Besucher im Exploseum betreten, blieb fremden Augen lange verschlossen. Hier, gut verborgen in den Wäldern um Bydgoszcz (Bromberg), entstand gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs eine der größten Munitionsfabriken des Dritten Reiches. Der rund zwei Kilometer lange Museumsrundgang führt zum Teil durch unterirdische Betonkorridore und deckt eine düstere Vergangenheit auf. Der Kern der Ausstellung erzählt von den Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen, die hier im Auftrag der Dynamit Aktien-Gesellschaft (DAG) Sprengstoffe für die deutsche Wehrmacht herstellten. Dabei kommen auch die Sabotageakte zur Sprache, die manche Fabrikarbeiter unter Einsatz ihres Lebens verübten, um der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft Schaden zuzufügen. Andere Ausstellungseinheiten beschäftigen sich mit der Geschichte der DAG und ihres Gründers Alfred Nobel. Das größte Gebäude des Museumskomplexes widmet sich einem umfassenden Rückblick auf die Entwicklung von Waffen und Sprengstoffen – vom 15. Jahrhundert bis ins Atomzeitalter. Multimediale Installationen setzen die nahezu unverfälscht erhaltene Architektur zusätzlich in Szene.

Regionalmuseum Leon Wyczolkowski | Exploseum
Muzeum Okręgowe im. Leona Wyczółkowskiego EXPLOSEUM - DAG Fabrik Bromberg
Alfreda Nobla
85-006 Bydgoszcz
Kujawsko-Pomorskie
Polen
+48 (0) 52 - 5859966
Homepage

Geschichte

23 Hektar Fläche, mehr als 1.000 Gebäude, 400 Kilometer Straße, 40 Kilometer Schienen, das Ganze versteckt unter bepflanzten Flachdächern und untertunnelt durch ein ausgedehntes Netzwerk aus Gängen: Die Munitionsfabrik Bromberg war eine gigantische, perfekt getarnte Industrieanlage, die von 1939 an in nur fünf Jahren förmlich aus dem Boden gestampft wurde. Ihre Produkte: Nitroglyzerin, TNT und rauchloses Pulver für die deutsche Kriegsmaschinerie – insgesamt 13.700 Tonnen.

Möglich war das nur durch den massiven Einsatz von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen. Unter anderem zeigt die Ausstellung eine Liste mit den Namen von 1.000 jüdischen Zwangsarbeiterinnen aus dem KZ Stutthoff, die der dortige Lagerleiter für die Patronenbefüllung „bereitstellte". Fabrikausweise und Metallanhänger mit persönlichen Daten der Arbeiter spiegeln sowohl das Zwangssystem als auch die hohen Sicherheitsvorkehrungen des Fabrikstandortes wider. Noch eindringlicher bringen dies die audiovisuellen Erinnerungen von Zeitzeugen zum Ausdruck.
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Nach dem Krieg demontiert die Rote Armee sämtliche technischen Anlagen. Ein Teil des Industriekomplexes geht in den 1950er Jahren in die Nutzung eines Chemiewerks über. Die Entscheidung, einen weiteren Bereich als Museum auszubauen, fällt im Jahr 2008. Drei Jahre später feiert das Exploseum Eröffnung. Es erstreckt sich über insgesamt acht Gebäude des ehemaligen "NGL-Betriebs" für die Herstellung von Nitroglyzerin (NGL). Der hochexplosive Sprengstoff diktierte zugleich die Bauweise. So sollten Druckwellenbarrieren, versetzte Eingangstüren und Sicherheitsabstände Kettenreaktionen im Explosionsfall verhindern. Zusätzlich wurden alle wesentlichen Fertigungshallen in doppelter Ausführung gebaut, um Produktionseinbrüche zu vermeiden. Das Museum nimmt eine dieser Zwillingslinien des NGL-Betriebs ein. Die andere ist als Ruine belassen und macht das Exploseum zum herausragenden Beispiel für eine Industriearchitektur, die ihren Erhaltungszustand seit dem Zweiten Weltkrieg weitgehend bewahrt hat.

Dauer einer geführten Tour: 120 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Museumsshop: ja

April bis September:
Dienstag, Mittwoch, Freitag - Sonntag 09.00-17.00 Uhr, Donnerstag 09.00-19.00 Uhr
geführte Gruppentouren 09.30, 11.30, 12.30, 14.30, 16.30 Uhr (nur Donnerstag)

Oktober bis März: 
Dienstag - Sonntag 08.00-16.00 Uhr
geführte Gruppentouren 09.30, 12.30, 13.30 Uhr

wegen weiterer Einzelheiten siehe Webseite

  • Nur mit Führungen
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder

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