Niederländisches Dampfmaschinenmuseum

Dieser Ort in Nordholland ist gleich in doppelter Hinsicht ein Meilenstein der niederländischen Industriegeschichte. Einerseits zeigt er eine Vielzahl originaler Dampfmaschinen aus Schifffahrt und Industrie, deren Rettung sich zum Großteil der Weitsicht des Privatsammlers Cees P. Jongert verdankt. Den dazu passenden Rahmen bildet andererseits das historische Dampfpumpwerk "Vier Noorder Koggen" mit komplett erhaltenem maschinellem Inventar. Fast alle der ausgestellten Dampfmaschinen - die Pumpanlagen inbegriffen - sind an bestimmten Aktionstagen unter Dampf zu sehen. Das macht dieses Museum europa- und wohl auch weltweit zu einem einzigartigen Schauplatz der industriellen Revolution.

Das Dampfpumpwerk ist eines von ehemals vielen seiner Art, mit denen die Niederländer große Teile ihres Landes dem Meer abtrotzten. Die größte der hier installierten Dampfpumpen - sie stammt aus dem Jahr 1907 - erreichte eine Pumpleistung von mehr als 450 Kubikmetern in der Minute. Außerdem zu bestaunen sind etwa eine Dreifach-Expansionsdampfmaschine, die einst einen Kahn zur Verklappung von Sand und Baggergut antrieb, ein Dampfkran und zahlreiche ehemals in Fabriken eingesetzte Dampfmaschinen.

Geschichte

Ohne Cees P. Jongert würde es das Niederländische Dampfmaschinenmuseum in seiner heutigen Form nicht geben. Jongerts 1976 in Angriff genommene und rasch wachsende Privatsammlung historischer Dampfmaschinen erregte erstmals öffentliches Interesse, als er Teile davon im ehemaligen Güterschuppen des Medembliker Bahnhofs ausstellte. Ebenfalls 1976 ging das denkmalgeschützte Dampfpumpwerk "Vier Noorder Koggen" nach 107 Jahren außer Betrieb. 1869 hatte es mit seiner damals hochmodernen Technik eine Reihe von Windmühlen ersetzt und übernahm die Aufgabe, Wasser aus den Entwässerungsgräben des benachbarten Polders über den “Westfriese Omringdijk”, eine bereits 1250 begonnene Deichanlage rund um Westfriesland, ins IJsselmeer zu pumpen. Polder, Ringdeich und Pumpwerk stehen für den jahrhundertealten und bis heute andauernden Kampf der Niederländer gegen das Meer, der mit der Dampftechnik eine neue Dimension erhielt.

Um das nun ausgemusterte Dampfpumpwerk zu erhalten, wurde der Plan gefasst, das Gebäude und seine Pumpanlagen mit der Dampfmaschinen-Sammlung Jongerts, die im Medembliker Bahnhof unter zunehmendem Raummangel litt, zu vereinen. Mit staatlicher Unterstützung und Mitteln des Prins Bernhard Cultuurfonds konnte das Pumpwerk bis 1982 vollständig restauriert und im darauffolgenden Jahr als Museum hergerichtet werden. Im Sommer 1984 machte die erste Sonderausstellung einen Teil der Anlage zugänglich. Die offizielle Eröffnung als Niederländisches Dampfmaschinenmuseum am 21.06.1985 feierte Königin Beatrix höchstpersönlich. Kern des Museumskonzepts ist neben der Vielseitigkeit die Funktionstüchtigkeit der hier gezeigten Maschinen. Deren hervorragende Wartung zeigte sich zuletzt 1998, als das Pumpwerk nach langen und intensiven Regenfällen erfolgreich unter Dampf gesetzt wurde, um seine mit Dieselmotoren angetriebenen Nachfolger zu entlasten. 2011 und 2012 wurden Gebäude und Maschinen erneut umfassend restauriert und seeseitig mit einem kleinen eigenen Hafen ausgestattet.

 

Empfohlene Aufenthaltsdauer:2 Stunden
Dauer einer geführten Tour:60 Minuten
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

März bis Oktober:
Dienstag - Sonntag 10.00-17.00 Uhr

 

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder

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