Museum zur Kunst der Wollherstellung

Die langgestreckten Gebäude aus Naturstein mit ihren regelmäßigen Fensterreihen über mehrere Etagen wirken bodenständig und aufgeräumt. Im Innern gliedern zweckmäßige Metallsäulen die weiten, hellen Produktionsräume. Hier, in den Bergen des Casentino unweit von Florenz, herrschte um 1900 das geschäftige Treiben einer der bedeutendsten Textilfabriken Italiens. Der Erfolg dieser Wollspinnerei war kein Zufall. Denn die Menschen in der Region waren ausgesprochene Wollspezialisten. Warum das so war, erzählt das Museum zur Kunst der Wollherstellung – mit einer spannenden Reise durch die Jahrhunderte der regionalen Textilproduktion. Dafür müssen die Besucher immer wieder ihre Hände zu Hilfe nehmen. So ertasten sie etwa den Unterschied zwischen Wolle, Seide, Baumwolle, Leinen und Hanf – alles Fasern, die schon früh die Handwerkstradition im Casentino prägten. Auch die Werkzeuge zum Scheren, Waschen, Kämmen, Spinnen und Weben von Wolle dürfen angefasst werden. Die zunehmende Mechanisierung führt schließlich zur Gründung der ersten Fabriken. Wie es dort zuging, zeigt die Sammlung von Textilmaschinen. Klangbeispiele erzeugen die dazugehörige Geräuschkulisse, und Interviews mit ehemaligen Fabrikarbeitern machen den Werksalltag wieder lebendig.

Museum zur Kunst der Wollherstellung
Museo dell’Arte della Lana Fondazione Luigi e Simonetta Lambard
Via Giovanni Santori 2
52017 Pratovecchio Stia
Italien
+39 (0) 575 - 582216
Homepage

Geschichte

1738 war ein Schlüsseljahr für die Toskana. Damals entzog Großherzog Francesco di Lorena der mächtigen Florentiner Tuchmachergilde das Monopol auf Wollherstellung und -handel. Daraufhin durchlief das Gewerbe innerhalb weniger Jahrzehnte einen grundlegenden Wandel: Handwerk und dezentrale Heimarbeit verlieren an Boden, stattdessen mechanisieren Manufakturen die einzelnen Arbeitsschritte und fassen sie an einem Ort zusammen. Zwei Familien, die Ricci und die Beni, tun sich dabei besonders hervor: Ihre Textilfabriken in Stia gehören zu den ersten der Toskana, die mit importierten Maschinen ausgestattet sind. 1852 geht daraus die heute noch erhaltene Wollspinnerei hervor. Kaum zehn Jahre später zählt sie bereits 140 Arbeiter und tritt 1867 erfolgreich auf der damaligen Weltausstellung in Paris auf. Ihre insgesamt sieben Wasserräder werden vom Staggia angetrieben, an dessen Ufer die Fabrik liegt. Seit den 1890er Jahren übernehmen zwei hydraulische Turbinen den Antrieb des Maschinenparks. Ihre Energie erhalten sie durch Wasser, das ein Rohrsystem aus den umliegenden Hügeln herleitet. 1918 erreicht das Textilwerk seinen Zenith: Mittlerweile 500 Arbeiter und 136 Webmaschinen produzieren jährlich mehr als 700.000 Meter Tuch.

In der Zwischenkriegszeit behält die Wollspinnerei, zu deren Kunden das italienische Königshaus zählt, ihre Bedeutung weitgehend bei, doch nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt ein schleichender Niedergang, der sich bis 1985 hinzieht. Als auch der letzte Versuch, das Geschäft wiederzubeleben, scheitert, schließt die Fabrik im Jahr 2000 endgültig ihre Pforten. Dank der von einer vormaligen Besitzerfamilie gegründeten Luigi-Lombard-Stiftung wird sie zwischen 2007 und 2010 mustergültig restauriert mit dem Ziel, für Bewohner und Besucher einen Ort des kollektiven Gedächtnisses zu schaffen. Das mittlerweile hier eingerichtete Museum macht die Kunst der Wollherstellung unmittelbar erlebbar. Dazu gehören auch Workshops, die den Teilnehmern zeigen, wie aus Wolle Kleidung wird.

Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

Juni, Juli und September:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 10.00-13.00 Uhr
Donnerstag, Sonntag 10.00-13.00 und 16.00-19.00 Uhr
Samstag 16.00-19.00 Uhr

August:
täglich 10.00-13.00 und 16.00-19.00 Uhr

Oktober bis Mai:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 10.00-13.00 Uhr
Donnerstag, Sonntag 10.00-13.00 und 15.00-18.00 Uhr
Samstag 15.00-18.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder

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