Maison de la Metallurgie et de l´Industrie de Liège - Route du Feu

Lage und Gebäude sind passend: ein altes Industrieviertel etwas abseits des Zentrums von Lüttich, eine ehemalige Fabrik für Weißblech, die im Jahr 1848 von den Brüdern Dothée errichtet wurde – das ist der Standort des Hauses der Metallurgie. Auf 2.500 Quadratmetern Fläche sind Themen aus den Bereichen Energie, Metallverarbeitung und Informationstechnik aufbereitet. Liebhaber alter Dampfmaschinen werden hier ebenso auf ihre Kosten kommen wie Computerfreaks oder Neugierige, die sich näher mit der Geschichte der Gas- und Erdölförderung auseinander setzen möchten. Und natürlich ist ein eigener Bereich der Familiendynastie der Cockerills gewidmet, die die Industriegeschichte Lüttichs entscheidend mit geprägt haben. Aber dazu später.

 

Zu Beginn treten Besucher und die Besucherin in eine andere Welt ein. Der Raum wirkt dunkel, es riecht nach Metall und Ruß. Es ist, als sei man mehrere hundert Jahre zurück versetzt in das Lüttich des 17. und 18. Jahrhunderts. Der älteste Hochofen Belgiens aus dem Jahr 1693, der am Originalstandort nicht erhalten werden konnte, steht hier wieder aufgebaut. Gleich – so scheint es – wird der Reidtmeister, der Betreiber der Anlage, den Raum betreten und seinen Arbeitern Anweisungen zum Befüllen des Hochofens mit Eisenerz, Kohle und Kalk geben. Die Schmiedegesellen werden das Frischefeuer in der Schmiede entfachen und mit kräftigen Hammerschlägen das Gusseisen aus dem Hochofen weiter bearbeiten, um ihm seine spröde Struktur zu nehmen. Hier schlägt noch das alte „Eisenherz“ Lüttichs.

 

Noch vor 200 Jahren hätte man in der Stadt viele Metall verarbeitende Betriebe gesehen. Als an Ruhr und Emscher noch Bauerndörfer das Landschaftsbild prägten, war Lüttich bereits „die Schmiede Europas“. Reiche Eisenerz- und Kohlevorkommen sowie die Maas als günstiger „Wasserweg“ hatten die Stadt bereits im Mittelalter zu einer der bedeutendsten industriellen Metropolen auf dem Kontinent werden lassen. Weltruhm erlangte Lüttich aber durch den englischen Maschinenbauer William Cockerill, der 1807 hier eine Maschinenfabrik errichtete und der im Museum durch ein mächtiges Standbild vertreten ist.

 

Die Cockerill-Dynastie gründete im Laufe der Zeit weitere Industriebetriebe, unter anderem das 1816 Maas aufwärts in Seraing errichtete Eisenhüttenwerk, eines der gigantischsten und modernsten Hüttenwerke seiner Zeit, das bereits 1825 an die 2.000 Menschen beschäftigte. Die Nachfolgewerke Cockerill Sambre rahmen heute die Maas rund um Lüttich ein – eine Stadt, die sich ihren spröden Charme einer Industriemetropole erhalten hat.

Maison de la Metallurgie et de l´Industrie de Liège - Route du Feu
Boulevard Raymond Poincaré 17
4020 Lüttich
Belgien
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