London Museum of Water & Steam

Diese Dampfmaschine ist so riesig, daß man aufrecht unter ihrem Waagbalken durchgehen kann – und das, während der sich schnaufend hebt und senkt. Ursprünglich tat er das, um Wasser in den Westen Londons zu pumpen. Heute ist er der Stolz des Kew Bridge Steam Museums, zusammen mit acht anderen gewaltigen Dampfmaschinen. Sechs von ihnen sind jedes Wochenende in Betrieb und bringen das ehemalige Wasserwerk wie in alten Zeiten auf Touren. Wahrzeichen des Museums ist ein schlanker viktorianischer Wasserturm. Er blickt auf einen Gebäudekomplex hinab, der den schmuckvollen Baustil des 19. Jahrhunderts ungebrochen bewahrt. Zu der Anlage gehört auch eine Schmalspurbahn, mit der die Wasserwerke jener Zeit von der Themse die Kohle zum Beheizen der Kesselhäuser heranschafften. Wie das vor sich ging, demonstrieren zwei instandgesetzte Dampflokomotiven. Zusätzlich gibt eine Ausstellung Einblick in die spannende Geschichte des Wassermanagements – von den Römern bis heute. Dort werden die Besucher selbst zu Wasserexperten, indem sie fachmännisch das Versorgungsnetz Londons inspizieren oder per Computer einen Reinigungsroboter durch einen Abwasserkanal steuern.

Geschichte

Der Zylinder einer Dampfmaschine ist kein Ort für eine Teeparty. Oder doch? Im ehemaligen Wasserwerk Kew Bridge Steam Museum traten britische Fernsehjournalisten den Gegenbeweis an: Sie kletterten durch das Einlaßventil der Dampfmaschine Grand Junction und richteten sich im Innern des Zylinders häuslich ein. Dessen Dimensionen sind in der Tat beeindruckend: Durchmesser 2,28 Meter, Kolbenhub 3,35 Meter, Pumpleistung pro Kolbenhub 2142 Liter – das macht mehr als 29 Millionen Liter am Tag! Nicht umsonst gilt Grand Junction als weltweit größte noch funktionsfähige Balanciermaschine. So heißt jene Art von Dampfmaschinen, bei denen die neue Technik erstmals reibungslos funktionierte. Der Name erklärt sich aus dem Waagbalken, der von einem Kolben mittels Wasserdampf auf und nieder bewegt wurde und dadurch zum Beispiel eine Pumpe antrieb. Die Grand Junction, Baujahr 1846, stammt aus Cornwall, das für seine Balanciermaschinen berühmt war. An Größe wird sie lediglich von der sogenannten 100-Inch-Maschine aus dem Hause Harvey übertroffen. Sie steht ebenfalls im Kew Bridge Steam Museum, ist aber noch nicht soweit wiederhergestellt, daß sie in Betrieb gehen könnte. Auf Pumpen mit Antriebsmotoren der Marke Harvey lasteten zeitweise 70 Prozent der gesamten Wasserversorgung Londons. Das Wasserwerk an der Kew Bridge Road übernahm dabei seit 1838 den Westen der Hauptstadt. Die folgenden Jahrzehnte erforderten eine kontinuierliche Ausweitung der Pumpenleistung, um des ständig steigenden Wasserverbrauchs Herr zu werden. Um 1900 arbeiteten in dem Werk sieben Dampfmaschinen, 1934 ergänzt um Dieselmotoren und wenig später um Elektropumpen. Vor allem Letztere machten die Dampfmaschinen bald überflüssig – sie wurden 1942 abgeschaltet. 1975 eröffnete das mittlerweile stillgelegte Wasserwerk als Museum. Die heute dort beheimateten Maschinen kommen teilweise aus anderen Pumpstationen. Die beiden Schmalspur-Dampflokomotiven waren ehemals in Steinbrüchen eingesetzt.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:1,5 Stunden
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Museumsshop:ja

täglich 11.00-16.00 Uhr

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