Lingotto Fabrik

Turin ist eines der bedeutendsten europäischen Zentren der Automobilindustrie und das Lingotto-Werk von Fiat war in dieser Hinsicht das Flaggschiff der Stadt. FIAT-Gründer Giovanni Agnelli (1866-1945) stattete 1912 Detroit einen Besuch ab und zeigte sich angeblich sehr beeindruckt von den Management-Theorien Frederick Winslow Taylors (1856-1915). Auch die Produktionsmethoden und Betonskelettfabriken der Firma Ford erregten sein Staunen, obwohl einige der aus Beton errichteten Turiner Autofabriken wie die Savigliano-Werke in Corso Mortara bereits vor dem Detroitbesuch entstanden.

Die Lingotto-Fabrik war die letzte in einer Reihe von Stahlbetonkonstruktionen nach den Entwürfen des Produktionsdirektors von Fiat, Giacomo Matte-Trucco (1864-1934). Sie misst 504 mal 24 Meter und besitzt auf dem Dach eine über 1 Kilometer lange Teststrecke, die auch von Managern der Firma benutzt wurde, um die Produktion zu überwachen. Die Autofertigung begann im Erdgeschoss und schritt über fünf Stockwerke nach oben fort. Lingotto verleiht dem langlebigen Glauben der Italiener in vielstöckige Automontageanlagen Ausdruck und verrät den italienischen Enthusiasmus für Betonbauten und futuristische Industriekonzepte.

Teile der Fabrik wurden in den 1980er Jahren umgenutzt. In den frühen 1990er Jahren kam die Produktion ganz zum Erliegen. 1994 gewann der Architekt Renzo Piano einen Wettbewerb zur Erneuerung des Gebäudes. Heute dient die ehemalige Fabrik den unterschiedlichsten Zwecken und beherbergt eine Messehalle, ein Konferenzzentrum, einen Konzertsaal, eine Einkaufsmeile, das Kunstmuseum "Pinacoteca Giovanni e Mariella Agnelli", mehrere Hotels sowie die Fakultät Automobilbau der Universität Turin. Die Teststrecke auf dem Dach wird von Joggern genutzt.

Lingotto Fabrik
Lingotto Fiere
via Nizza 294
10126 Turin
Italien
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