Kelham Island Museum

Messer, Sägen, Sensen, Feilen, Rasierklingen, Tafelsilber – kein Zweifel: Sheffield ist das Solingen Englands. Was im 16. Jahrhundert mit kleinen Werkstätten beginnt, entwickelt sich rasch zum Aushängeschild einer aufstrebenden Industriestadt. Später wird Sheffield Vorreiter der modernen Stahlherstellung. Das Kelham Island Museum, beheimatet in einem ehemaligen Kraftwerk, ist eine beeindruckende Leistungsschau der örtlichen Industriekultur. Hier steht eine der leistungsfähigsten Dampfmaschinen der Welt neben einer haushohen Bessemerbirne, deren Erfindung 1856 die Stahlproduktion revolutionierte. Die handwerkliche Tradition Sheffields vertreten die „Little Mesters“. So hießen die Messerschmiede, Schleifer und Werkzeugmacher, die die Herkunftsbezeichnung „Made in Sheffield“ zu einem international bekannten Markenzeichen machten. Heute gibt es kaum noch Arbeit für sie – außer im Kelham Island Museum, wo einige von ihnen ihr meisterhaftes Können zeigen. Stahlindustrie hautnah erleben Kinder im „Melting Shop“: Sie schlüpfen einfach in die Rolle eines Stücks Stahl und lassen sich von „echten“ Maschinen schmelzen, walzen und hämmern.

Geschichte

Die Voraussetzungen waren ideal: Es gab Wasser, um Maschinen anzutreiben, und Sandstein, um hochwertige Schleifsteine herzustellen. Es gab Kohle und Eisen und als Transportwege die Flüsse. Und vor allem gab es die Kunstfertigkeit und den Fleiß der Sheffielder Handwerker. Kein Wunder, das Sheffield schon früh und über die Maßen erfolgreich „in Eisen machte“. 1742 beginnt die Zeitrechnung, die die mittelenglische Stadt zur „Welthauptstadt des Stahls“ machen sollte: Benjamin Huntsman erfindet den Gußstahl. Gut 100 Jahre später entwickelt der Ingenieur Sir Henry Bessemer eine Methode, um Gußstahl massenweise herzustellen: Die sogenannte Bessemerbirne ist geboren. Kurz darauf gelingen Robert Forrester Mushet die ersten Stahllegierungen, und 1913 produziert Harry Brearley den ersten rostfreien Stahl. Die Bandbreite der Waren „Made in Sheffield“ ist entsprechend vielseitig. Sie reicht vom filigranen Operationsbesteck über die Kurbelwelle eines Triumph Spitfire bis zur 12.000 PS starken Dampfmaschine, 1905 konstruiert für ein Sheffielder Walzwerk zur Produktion von Panzerplatten. Die stehen für ein weiteres Betätigungsfeld der örtlichen Stahlbetriebe: die Rüstungsindustrie. Stahlplatten aus Sheffield panzerten die britischen Schlachtschiffe des Ersten Weltkriegs, im Zweiten Weltkrieg wurden hier die sogenannten Grand-Slam-Bomben hergestellt, ein zehn Tonnen schwerer Bombentyp mit enormer Durchschlagskraft.

Sheffield war im 18. und 19. Jahrhundert das mit Abstand führende Weltzentrum der Schneidwarenindustrie. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es von Solingen abgelöst. Der Niedergang der alten englischen Industrie im ausgehenden 20. Jahrhundert führte schließlich gar zum fast vollständigen Verschwinden der Schneidwarenindustrie Sheffields. Nur noch relativ wenige Firmen sind heute noch in dem Sektor tätig. Sie haben sich meist auf die besseren Qualitäten spezialisiert. Somit ist die Schneidwarenindustrie Sheffields heute vor allem museal präsent, wie im Kelham Island Museum, das ein lebendiges Bild dieser illustren Industriegeschichte Sheffields malt.

Die Schneidwarenindustrie der Stadt wird darüber hinaus an Originalstandorten präsentiert: im Freilichtmuseum „Abbeydale Industrial Hamlet“, einer wassergetriebenen Fabrikationsanlage zur Herstellung von Sensen, im ehemaligen Schleifkotten „Shepherd Wheel“ und der „Wortley Top Forge“, einer traditionellen Schmiede. Das städtische Museum Weston Park hat seine beeindruckende Schneidwarensammlung in einem großzügigen Ausstellungsraum in der Millenniumsgalerie untergebracht.

Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

Montag bis Donnerstag 10.00-16.00 Uhr

Sonntag 11.00-16.45 Uhr

letzter Einlass 1 Stunde vor Schließung

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