Fabrikmuseum La Encartada

Sausende Transmissionsriemen, surrende Garnrollen, das Klappern der mechanischen Webstühle – Geräusche wie diese bestimmten 100 Jahre lang den Alltag der baskischen Tuchfabrik La Encartada bei Bilbao. Dass fast die komplette Ausstattung aus der Wende vom 19. zum 20 Jahrhundert erhalten blieb, ist ein seltener Glücksfall. Und nicht nur das: Auch die Gebäude sind unversehrt und sorgfältig restauriert, einschließlich der Wohnhäuser für die Beschäftigten. Gleich zu Beginn des Museumsrundgangs zeigt ein Video den ehemaligen Fabrikbetrieb und lässt Arbeiter zu Wort kommen. Daran schließen sich verschiedene Werkstätten für Reparatur und Instandhaltung an, ergänzt um historische Lieferfahrzeuge – vom Pferdekarren bis zum DKW-Pritschenwagen. Wichtigstes Produkt war die Baskenmütze („Boina“), zeitweise auch Decken für die Armee. Die Ausstellung veranschaulicht jeden einzelnen Arbeitsschritt, angefangen von der Rollenpresse zum Auswringen der gewaschenen Rohwolle über Kämm-, Spinn- und Zwirnmaschinen bis hin zu den hoch aufragenden Jacquard-Webstühlen. Und das alles in einer landschaftlich reizvollen Umgebung am Ufer des Cadagua, der mit seinem sieben Meter hohen Wasserfall die nötige Antriebsenergie lieferte.

Ganz in der Nähe stehen noch die Reihenhäuser der Arbeiter. Einige von ihnen entstanden gleichzeitig mit der Fabrik, andere stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Geschichte

Dass Marcos Arena Bermejillo, der in Mexiko zu Geld kam, am 14. Januar 1892 gerade an dieser Stelle eine Fabrik in Betrieb nimmt, ist kein Zufall. Genau hier, zwei Kilometer von seinem Heimatort Balmaseda entfernt, speiste die Wasserkraft des Cadagua schon im 15. Jahrhundert eine Gießerei, Mitte des 19. Jahrhunderts gefolgt von einer Getreidemühle mit vier Mahlwerken. Die neue Fabrik La Encartada nimmt in der baskischen Industrielandschaft eine Ausnahmestellung ein: Als Textilfabrik vertritt sie einen in der Region wenig verbreiteten Industriezweig, der sich wie kaum ein anderer als technologischer Taktgeber der Industrialisierung hervortut. Fast noch mehr fällt der hervorragende Erhaltungszustand des historischen Fabrikkomplexes ins Gewicht: Maschinen, Transmissionsanlage, Arbeiterunterkünfte und die Unversehrtheit des Standortes bilden zusammen ein stimmiges Umfeld, das seine Besucher in eine frühe Phase der Industrialisierung Spaniens zurückversetzt. Ihre Blütezeit erlebte die Fabrik zwischen 1910 und 1936 mit damals 130 Beschäftigten. Die fertigten zu jener Zeit neben Baskenmützen, auf denen von Anfang an der Schwerpunkt der Produktion lag, zusätzlich Schirmmützen, Sturmhauben und Decken. Hauptabnehmer war das Militär, auch noch während des spanischen Bürgerkriegs. Danach, ab den 1940er Jahren, geriet die Baskenmütze nach und nach aus der Mode. Das Aufkommen synthetischer Fasern und die Konkurrenz aus Übersee führten 1992, nach genau 100 Jahren, die Schließung der Fabrik herbei. 2007 feierte La Encartada, mittlerweile denkmalgeschützt, Wiedereröffnung als Fabrikmuseum. Kennzeichnend ist die unterschiedliche Herkunft der Maschinen. Die Rohwolle etwa reinigte ein katalanischer Krempelwolf, die Mule-Spinnmaschine kam von den Gebrüdern Platt aus Oldham, die zusammen mit einem belgischen Hersteller auch die in die 1890er Jahre datierenden Anlagen zum Zwirnen und Aufwickeln lieferten, und die notwendige Energie erzeugte eine 1904 hergestellte Francis-Turbine der deutschen Firma J. M. Voith aus Heidenheim.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:1,5 Stunden
Dauer einer geführten Tour:60 Minuten
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

April bis Oktober:
Dienstag - Freitag 10.00-14.00 Uhr und 16.00-19.00 Uhr
Samstag 10.30-19.00 Uhr
Sonntag 11.00-17.00 Uhr

November bis März:
Dienstag - Freitag 10.00-14.00 Uhr
Samstag 10.30-19.00 Uhr
Sonntag 11.00-17.00 Uhr

  • Nur mit Führungen
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder

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