Alte Kläranlage Stará Čistírna

Nein, ein gewöhnliches Museum ist die diese historische Kläranlage nicht. Eher eine abenteuerliche Reise in die vorletzte Jahrhundertwende. Gleich neben der gewaltigen Halle im Hauptgebäude liegt der Maschinenraum, aus dem vier Mal im Jahr das Schnaufen zweier Dampfmaschinen anno 1903 zu hören ist. Den Antrieb besorgt bis heute Dampf aus dem benachbarten Kesselraum. Richtig spannend wird es unter der Erde. Da wartet ein System aus verklinkerten Gewölbegängen samt einer Vielzahl original erhaltener Maschinen. Die waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts der letzte Schrei moderner Abwassertechnologie. Besucher erleben das aus nächster Nähe. Zum Beispiel können sie per Handkurbel das Schleusentor bewegen, das einst ein großes Wasserrad regulierte und damit zugleich die Belüftungsanlage steuerte. Bewegliche Rechen reinigten das Abwasser von den gröbsten Verunreinigungen und eine Floßfahrt auf einem der 87 Meter langen unterirdischen Absetzbecken für Feinschlamm zeigt die Dimensionen dieses Klärwerks. Dass dessen Betrieb oft mit Schwerarbeit verbunden war, macht der Dokumentarfilm "Männer in Prags Untergrund" von 1947 deutlich. Wem das alles noch nicht reicht, der erklettert einen der beiden 30 Meter hohen Schornsteine und seilt sich im Innern in die Kanalisation ab.

Alte Kläranlage Stará Čistírna
Stará Čistírna odpadních vod v Bubenči
Papírenská 6
160 00 Prag
Tschechien
+420 (0) 777 - 790219
Homepage

Geschichte

Um 1880 hatte Prag über 160.000 Einwohner - aber keine angemessene Kanalisation. Entsprechend schlecht waren die hygienischen Verhältnisse. 1884 ging die Stadt das Problem an, indem sie den britischen Ingenieur und Abwasser-Spezialisten Sir William Heerlein Lindley engagierte. Der hatte bereits das Abwassersystem von Frankfurt am Main modernisiert. Nun bescherte er Prag das fortschrittlichste Kanalnetzwerk Europas.

Letzter Akt dieses 1906 abgeschlossenen Mammutprojekts war der Bau der Kläranlage im heutigen Stadtteil Bubeneč. Ausgestattet mit hochmoderner Technik sorgte sie dafür, dass Prags Abwässer nicht länger ungeklärt ins Flusswasser strömten. Dadurch stieg der Lebensstandard der tschechischen Hauptstadt schlagartig. 120.000 Kubikmeter Schmutzwasser reinigte das Klärwerk pro Tag und führte es erneut dem Wasserkreislauf zu. Den Antrieb für den Maschinenpark stellten zwei Dampfmaschinen der Marke Breitfeld & Danĕk aus dem Jahr 1903 bereit. Sie stehen noch am Originalstandort und laufen – für Tschechien einzigartig - bis heute im Dampfbetrieb, etwa am Weltwassertag im März oder am Tag des Offenen Denkmals im September. Zu den weiteren Maschinen des Museums gehören verschiedene Pumpen aus tschechischer Herstellung, die unter anderem den Abwasserschlamm entsorgten, sowie mechanische Rechen zum Heraussieben von Blättern, Ästen und anderen Fremdkörpern. Den größten Raum nehmen zehn langgestreckte Sedimentbecken mit je 1.200 Kubikmeter Fassungsvermögen ein, in denen sich der Feinschlamm am Boden absetzte.

Ein großer Teil der unterirdischen Anlage ist auf einem geführten Rundgang begeh- beziehungsweise befahrbar. Eine Dauerausstellung und zwei Dokumentarfilme erläutern den historischen und technischen Hintergrund. Das Klärwerk war bis 1967 in Betrieb und steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Innerhalb Europas ist Stará Čistírna die einzige mechanische Kläranlage des beginnenden 20. Jahrhunderts, die so gut erhalten und überdies für Besucher zugänglich ist.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 2 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 80 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: bitte Hinweise auf Webseite beachten
Gastronomie:

Montag bis Freitag: Führungen um 11.00 und 14.00 Uhr
Samstag, Sonntag: Führungen um 10.00, 12.00, 14.00 und 16.00 Uhr

  • Nur mit Führungen
  • Fremdsprachliche Führungen
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