Der Eingang: ein Falltor aus Stahl, flankiert von zierlichen Rundtürmen. Dahinter langgestreckte Backsteingebäude, die unter anderem ein Magazin, eine historische Tischlerei und die ehemalige Maschinenhalle samt Turbinen und sonstiger Ausstattung beherbergen. Gleich daneben erhebt sich die Direktorenvilla, die im Vergleich zum Bauornament der benachbarten Zechenbauten mit dem schlanken Förderturm geradezu schlicht wirkt. All dies verharrt fast unverändert im Zustand des 19. Jahrhunderts - die ausgedehnte, mit allen notwendigen sozialen Einrichtungen ausgestattete Bergbausiedlung eingeschlossen. Das macht das historische und erfolgreich umgenutzte Zechenensemble St.-Emmanuel im ehemaligen belgischen Kohlerevier Le Centre zu einem Juwel der Bergbauarchitektur und mündet 2012 in die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste. Besucher des „Museums für Bergbau und nachhaltige Entwicklung“ spüren in Werkstätten, Arbeiterhäusern und im Büro des Direktors dem einstigen Zechenalltag nach, setzen sich – etwa im Kontext verschiedener renaturierter Halden - mit den Umweltfolgen der Kohleförderung auseinander und lernen nicht zuletzt das neue Selbstverständnis des Standorts als Veranstaltungszentrum für zeitgenössische Kunst kennen.
Welterbe Museum für Bergbau und nachhaltige Entwicklung
Musée de la Mine et du Développement Durable
Rue Saint-Patrice 2b
7110 La Louvière
Belgien
+32 (0) 64 - 282000
Homepage
Das gesamte Betriebsgelände lag dem Direktor vom Balkon seiner Dienstvilla zu Füßen: die Zechengebäude zu seiner Linken, rechts das Areal der Büros und Werkstätten und geradeaus die zentrale Achse der Zechensiedlung. Dort fanden die Bergleute alles vor, was sie brauchten: Kirche, Krankenhaus, Schulen, Läden, ein Altersheim, eine Festhalle, sogar einen kleinen Park mit Musikpavillon. Und natürlich Wohnraum samt Gärten. Das band die Belegschaft an den Arbeitsort, erlaubte ihre Kontrolle und diktierte auch noch die Regeln des Zusammenlebens – vom Schichtbetrieb bis zur Freizeitgestaltung. Angefangen hatte die Geschichte der Musterzeche St.-Emmanuel lange vor ihrer Gründung. 1685 entstand hier mit der „Gesellschaft für Kohlebergbau und den Großen Kanal von Houdeng“ eine der ersten Kapitalgesellschaften Europas. Sie wollte ein grundlegendes Problem des damaligen Kohlebergbaus lösen: die Ableitung des Grundwassers. Der Erwerb verschiedener Zechen in der Umgebung machte die Societé bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem wichtigen Akteur im belgischen Bergbau. Dessen Schmuckstück St.-Emmanuel nahm 1846 den Betrieb auf. Bereits zuvor hatte die Errichtung der Zechensiedlung begonnen. 1959 wurde der Standort stillgelegt, 20 Jahre später löste sich auch die Societé auf. In der Wohnsiedlung lebten jedoch weiterhin Menschen. Sie waren es auch, die als erste den Erhalt der historischen Bausubstanz forderten. Mittlerweile sind die obertägigen Anlagen grundlegend restauriert und beherbergen das heutige Museum, das aus der Verschmelzung zweier Vorgängermuseen hervorging. Unter ausdrücklicher Beteiligung der lokalen Bevölkerung verfolgt es zwei Schwerpunkte: die Geschichte des Bergbaus sowie nachhaltige Entwicklung. Die ehemaligen Bergarbeiterhäuser sind noch immer bewohnt, auch der Lebensmittelladen und eine Schule ist noch in Betrieb. Die Halden sind heute die grünen Lungen der Region. Darüber hinaus gehören jährliche Kunstausstellungen und die Förderung zeitgenössischer Künstler zum festen Bestandteil der örtlichen Museumsarbeit.
| Empfohlene Aufenthaltsdauer: | 2 Stunden |
|---|---|
| Dauer einer geführten Tour: | 120 Minuten |
| Eintritt: | kostenpflichtig |
| Barrierefreier Zugang: | bitte Hinweise auf Webseite beachten |
| Angebote für Kinder: | |
| Gastronomie: | |
| Besucherzentrum beim Objekt: | ja |
| Museumsshop: | ja |
Montag - Freitag 10 - 17 Uhr
Samstag-Sonntag 10-18 Uhr (zwischen 1. April und 1. Oktober)