MuCa - Museum der Schiffbauindustrie

Wer wissen will, wie die Industrialisierung eine Kleinstadt und ihre Menschen zu einem Ganzen zusammenschweißt, muss nach Monfalcone in Italien fahren. Seit 1908 hier das erste Schiff vom Stapel lief – bis 1918 gehört der Ort bei Triest noch zu Österreich-Ungarn –, gilt Monfalcone als Zentrum der Werftindustrie. Den Anstoß dazu gibt die Familie Cosulich, alteingesessen in der regionalen Schifffahrtsbranche. Dank ihrer Werftgründung im heutigen Stadtteil Panzano erlebt die Küstenstadt eine rasante Entwicklung zum Herkunftsort eleganter Luxusliner und Kreuzfahrtschiffe, die alle Weltmeere befahren. Und weil die Fabrikantendynastie der Cosulich das Wohlergehen der Arbeiter und ihrer Familien als Teil ihres Geschäftserfolgs ansieht, baut sie eine bis heute bewohnte Werkssiedlung mit Geschäften, einer Schule, einer Bibliothek und ursprünglich gar einem Theater. Auch ein riesiges, architektonisch aufwendiges Wohnheim für ledige Arbeiter gehört dazu. In einem Teil davon ist heute das „MuCa - Museo della Cantieristica“ untergebracht. Mit überlegt eingesetzter Multimedia-Technik versetzt es die Besucher zurück in die „goldenen Zeiten“ des örtlichen Schiffsbaus mit ihren historischen Lebens- und Arbeitsbedingungen.

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MuCa - Museum der Schiffbauindustrie
MuCa - Museo della Cantieristica
Via del Mercato, 3
34074 Monfalcone
Italien
+39 (0) 481 - 494901
Homepage

Geschichte

700 ledige Männer wohnen zu Spitzenzeiten in dem heutigen Museum und früheren „Arbeiterhotel“, dessen opulente Bauweise anno 1907 eher einem Palast des Wiener Jugendstils gleicht. Hier leben Schweißer, Mechaniker, Elektriker, Ingenieure, aber auch Zimmerleute, Innenarchitekten, selbst Künstler. Wer eine Familie gründet oder eine leitende Position erreicht, kann sich zu günstigen Konditionen ein Haus in der zugehörigen Werkssiedlung kaufen. Die errichten ihre Bauherren, die Werftbesitzer Cosulich, nach den Prinzipien des britischen Stadtplaners und Erfinders der Gartenstadt, Ebenezer Howard: mit Grünflächen, Einkaufsmöglichkeiten und kulturellen Einrichtungen. Das Konzept geht auf: Von Beginn an und erst recht nach dem Anschluss an Italien im Gefolge des Ersten Weltkriegs prägen Werft, Werkssiedlung und Arbeiterschaft gemeinsam das Bild Monfalcones in der Welt. Luxusliner wie die „Saturnia“ und „Vulcania“ befördern Geschäftsleute, Touristen und Emigranten gleichermaßen und werden mit ihrem einzigartigen Design und der erlesenen Möblierung zum Inbegriff italienischer Qualitätsarbeit.

Das Besondere daran: Die Werkssiedlung wird bis heute als solche genutzt, und die Werft – mittlerweile in staatlichem Besitz – gehört zu den größten im Mittelmeerraum. Diese Kontinuität ist allerdings nicht bruchlos verlaufen, und es gehört zu den herausragenden Merkmalen des Museums, dass es die enge Wechselbeziehung zwischen Stadt, Mensch und Industrie nicht schönfärbt. Das betrifft die schmerzhafte wirtschaftliche Transformation nach dem Ende der Ära der Ozeandampfer hin zum Bau von Frachtern und Kreuzfahrtschiffen, das betrifft aber auch dunkle Seiten der Industrialisierung wie Krebs durch Asbest – eine Krankheit, die seit Jahrzehnten Hunderte von Menschen im Umkreis der Werft ihr Leben kostete und bis heute kostet. Das MuCa beschreibt Monfalcone mithin wie einen Organismus mit Stärken und Schwächen. Um ihn ganz zu erfassen, empfehlen sich zusätzliche Führungen durch Werft und Werkssiedlung.
 

Empfohlene Aufenthaltsdauer:1 Stunden
Dauer einer geführten Tour:90 Minuten
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:vollständig
Angebote für Kinder:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

Juni bis September
Montag, Freitag - Sonntag 10.00-19.00 Uhr

Oktober bis Mai
Montag, Freitag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder