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Regionale Route Rhein-Main | Deutschland

Das Rhein-Main-Gebiet spiegelt die „Zweite Industrialisierung“ Deutschlands ab Mitte des 19. Jahrhunderts wider. In der Region gibt es kaum Rohstoffe wie Kohle oder Eisenerze, die anfangs die industrielle Revolution befeuert hatten, doch sie profitiert seit Jahrhunderten vom Fernhandel: Dank der großen ... mehr

Route der Industriekultur Rhein-Main

Das Rhein-Main-Gebiet spiegelt die „Zweite Industrialisierung“ Deutschlands ab Mitte des 19. Jahrhunderts wider. In der Region gibt es kaum Rohstoffe wie Kohle oder Eisenerze, die anfangs die industrielle Revolution befeuert hatten, doch sie profitiert seit Jahrhunderten vom Fernhandel: Dank der großen Ströme Rhein und Main und der traditionsreichen Ost-West-Route von Paris nach Leipzig. So entstand an der Mainfurt in Frankfurt spätestens im 12. Jahrhundert eine erste Handelsmesse, bald darauf die erste Steinbrücke über den Main.

Die ausgeprägte Kleinstaaterei behinderte jedoch die Wirtschaftsentwicklung, bis nach Preußens Sieg gegen Österreich 1866 die territoriale Neuordnung, die Durchsetzung der Gewerbefreiheit und die Auflösung der Zünfte neue Möglichkeiten eröffneten. Den nun entstehenden Unternehmen bot sich ein großes Potenzial an Arbeitskräften, weil die Bauern auf dem stark zersplitterten Landbesitz in den umliegenden Regionen kaum das Existenzminium erwirtschafteten. Kapital kam vor allem aus dem wohlhabenden Frankfurter Bürgertum, floss aufgrund der wenig industriefreundlichen Politik des Stadtrats jedoch zuerst in umliegende Gemeinden. Das erste einschlägig spezialisierte Geldhaus, die "Bank für Handel und Industrie", entstand 1853 denn auch in Darmstadt

Früh kam es zum Ausbau der Infrastruktur: Schon 1839, vier Jahre nach Einweihung der ersten deutschen Bahnstrecke, rollten Züge von Frankfurt nach Höchst, im Folgejahr wurde Wiesbaden angeschlossen, dann Heidelberg und 1852 reichte die Nord-Süd-Verbindung bis nach Kassel. Politisch wie technisch schwieriger war der Ausbau des Rheins für die dampfgetriebene Schleppschifffahrt: Durch die Regulierungen ab 1817 wurde aus dem mäandrierenden Strom nach und nach eine hochfrequentierte Verkehrsader, mit erheblichen ökologischen Nebenwirkungen.

Die erste Dampfmaschine ging 1830 noch in der Münzanstalt des Großherzogs in Darmstadt in Betrieb. Doch im folgenden Jahrzehnt setzte um Frankfurt der Boom des Maschinenbaus ein, von Eschborn über Oberursel bis Hanau. Das erfolgreichste Unternehmen gründete Adam Opel (1837-95) 1862 in Rüsselsheim: Wie viele Autobauer stellte er zuerst Nähmaschinen her, ging dann mit Fahrrädern in die Massenfertigung und wurde ab 1900 mit der Autoproduktion weltweit bekannt. Heinrich Kleyer (1853-1932) wiederum begann 1885 in Frankfurt – wo nun ebenfalls Fabriken aus dem Boden schossen – mit der Herstellung von Fahrrädern, nahm dann Schreibmaschinen und schließlich auch Autos ins Programm seiner „Adler“-Werke auf.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Chemie den Maschinenbau zu überflügeln. Schon 1856 war in Bockenheim eine Fabrik für Kunstdünger gegründet worden, die bald nach Griesheim am Main umzog, die Herstellung von Teerfarben aufnahm, in die Elektrochemie expandierte und als „Chemische Fabrik Griesheim-Elektron“ florierte. Mit den begehrten Farbstoffen aus Steinkohlenteer begann auch die Erfolgsgeschichte des 1863 in Höchst eröffneten Unternehmens, das sich unter dem Namen „Farbwerke Höchst“ zur Weltfirma entwickelte. Aus einer 1668 eröffneten Apotheke in Darmstadt entstand der Arzneimittel-Konzern Merck, der ab den 1840er Jahren immer weiter expandierte und bis heute eine Führungsrolle in der Pharmaindustrie behauptet. 

Charakteristisch für die Region ist eine Branchenvielfalt, die sich seit der Gründungsphase erhalten hat. So entwickelte sich aus der Haunauer Apotheke, die Wilhelm Carl Heraeus (1827-1904) 1851 übernahm, ein Technologiekonzern, der heute vor allem in der Medizin- und Sensor-Technik aktiv ist. „MAN Roland“ aus Offenbach, 1871 als „Faber & Schleicher“ gegründet, zählte bis ins 21. Jahrhundert zu den weltweit führenden Herstellern von Maschinen für den Offsetdruck. Die Zementfabrik „Dyckerhoff & Söhne“, 1864 eröffnet, lieferte schon 1884 Baustoff für das Fundament der amerikanischen Freiheitsstatue und produziert weiterhin in Mainz-Amöneburg.

Eine besondere Entwicklung durchliefen die beiden wichtigsten Städte der Region. Mainz, lange Residenz eines einflussreichen Erzbischofs und Kurfürsten, profitierte dank der verkehrsgünstigen Lage an der Mündung des Mains in den Rhein vom Handel. Das Gewerbe lebte von der Hofgesellschaft, so die Manufakturen für Möbel- und Porzellanherstellung oder die Wagen-Fabrik, die nach der Umstellung auf den Waggonbau allerdings ins benachbarte Mombach abwanderte. Mainz erlebte eine verzögerte, begrenzte Industrialisierung – auch weil es am linken Rheinufer liegt und erst spät an das von Frankfurt ausgehende Bahnnetz angebunden wurde. Neue Unternehmen ließen sich lieber auf der Frankfurt zugewandten Seite des Stroms nieder, von Wiesbaden-Biebrich über Amöneburg bis zur Main-Mündung: So etwa in Gustavsburg die Werkstätten der Nürnberger Maschinenfabrik Cramer-Klett, die nach der Fusion mit MAN zu einem bedeutenden Stahlbau-Unternehmen wurden.

In der Metropole Frankfurt gründete man schon 1843 eine Scheideanstalt, um Edelmetalle in außer Kurs gesetzten Münzen von einander scheiden und wiederverwerten zu lassen. Aus diesem Unternehmen entwickelte sich der Chemie-Gigant „Degussa“. Die Industrialisierung setzte aber erst in den 1870er Jahren ein. Als eines der ersten Industriegebiete wies der Rat den Stadtteil Sachsenhausen aus. Beispielhaft für die dominierenden Branchen waren die „Adler“-Maschinenbau-Werke und die „Cassella Farbwerke“, bis sich nach der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 zunehmend Elektroindustrie ansiedelte. Ab 1907 wurde dann das riesige Industriegebiet zwischen dem Osthafen und Fechenheim erschlossen. 1909 entstand mit der „Deutschen Luftschiffahrts-AG“ die erste Fluggesellschaft der Welt, der erste Flughafen eröffnete 1912 in Frankfurt-Rebstock.

Route der Industriekultur Rhein-Main

Die zahlreichen und vielfältigen lebendigen Zeugnissen des produzierenden Gewerbes samt dazugehöriger Infrastruktur der Rhein-Main-Region zu bergen, wieder ins Bewusstsein zu bringen und zugänglich zu machen, ist Anliegen der "Route der Industriekultur Rhein-Main". Auf ihr werden über 1.000 Orte von lokaler und überregionaler Bedeutung für die Industriegeschichte der Region vorgestellt. Ausflugstouren, Besichtigungen, Führungen und Informationen vor Ort versetzen Besucher in die Lage, regionale Zusammenhänge an konkreten Beispielen zu erleben und zu begreifen. Das ständige Informations- und Veranstaltungsangebot der Route sowie die jährlichen "Tage der Industriekultur"  beleben das vielfältige Kultur- und Freizeitangebot der Rhein-Main-Region und tragen damit zur Bildung einer stärkeren regionalen Identität bei.

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