ERIH Italien: Industriekultur und Covid-19 – Wie gelingt der Neustart nach dem Lockdown?

Bei ihrem Jahrestreffen am 14. Mai, das diesmal online ausgetragen wurde, ging es für die Vertreter der italienischen ERIH-Standorte um zwei zentrale Fragen: Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf die Aktivitäten der einzelnen ERIH-Mitglieder und welche Strategien gibt es für die Wiedereröffnung der Industriemuseen und -denkmäler nach dem landesweiten Lockdown?

Den Anstoß für die Diskussion lieferte die Sonderausgabe des ERIH-Newsletters zur Coronakrise im April. Dessen Anliegen war es, trotz flächendeckender Standortschließungen Ideen für die fortgesetzte Kommunikation mit interessierten Besuchern zu entwickeln und dabei auf das Potenzial des ERIH-Netzwerks zu setzen, gemeinsam neue Formate zu entwickeln und voneinander zu lernen.

Die Bestandsaufnahme – eine Gegenüberstellung des Istzustands mit Zahlen von 2019 – offenbarte die verheerende Wirkung der Pandemie auf den Industriekulturtourismus in Italien. Viele der italienischen ERIH-Standorte finanzieren sich zu über 70 Prozent aus den Erlösen von Eintrittsgeldern und Verkäufen in Museumsshops und Besucherzentren. Entsprechend existenziell sind die Verluste.

Zugleich wurde hervorgehoben, dass die Krise auch Innovationen hervorbrachte. Dies betrifft vor allem die Online-Kommunikation, darunter den gezielten Ausbau der Social-Media-Profile wie im Fall der Stiftung Dalmine bei Bergamo oder der „Radfabrik“ (Fabbrica della Ruota) in Pray, außerdem virtuelle Ausstellungsführungen wie etwa im Museum für Industriekultur in Bologna oder auch Kurzvideos zu weniger bekannten Aspekten eines Museums wie im Textilmuseum in Prato unweit von Florenz.

Die erneute Öffnung der Standorte für Besucher steht unter der bangen Frage, wie viele Touristen überhaupt zu erwarten sind. Die Prognosen gehen dabei in erster Linie von Inlandstouristen und Besuchern aus der näheren Umgebung aus. Da Industriemuseen und -denkmäler in diesem Besuchersegment ohnehin traditionell stark sind, wäre das für den Industriekulturtourismus ein Grund zur Hoffnung in der Krise. Das alles ist allerdings von vielen Faktoren abhängig. Unter anderem müssen sich die Standorte, aber auch die Besucher selbst auf neue Bedingungen einlassen: die Verpflichtung zu (oder Empfehlung von) Online-Buchungen, die Maskenpflicht, strenge Abstandsregeln und die Deckelung der Besucherzahlen.

Zu den Gästen des Jahrestreffens zählten ERIH-Vizepräsident Adam Hajduga, Stefano Dominioni, Geschäftsführer des Erweiterten Teilabkommens über die Kulturrouten des Europarates sowie Edoardo Currà, Präsident der Italienischen Gesellschaft für das industriearchäologische Erbe (AIPAI). Die Ergebnisse der Diskussion hält ein ausführlicher Newsletter fest.

ERIH Italien Newsletter Mai 2020

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