Porto: ERIH Jahreskonferenz mit Atlantikambiente

Lebhafte Diskussionen und Vorträge rund um das Thema „Industrial Heritage: The International Story“

Industriekultur als gesamteuropäische Erzählung – darüber debattierten rund 60 Teilnehmer auf der diesjährigen ERIH-Konferenz. Nach der Vorstellung der gerade veröffentlichten ERIH-Broschüre „Industrial Heritage: The International Story“ illustrierten Vorträge die Umsetzung am praktischen Beispiel. Ebenfalls diskutiert wurden Themen wie mögliche Organisationsstrukturen von ERIH auf nationaler Ebene oder der ERIH-Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018. Die Gastgeberstadt Porto punktete mit spannenden Besichtigungen, sommerlichen Temperaturen und Atlantikambiente.

Die neue ERIH-Broschüre, vorgestellt von Peter Wakelin in Vertretung des Autors Barrie Trinder, skizziert die Industrialisierung Europas als vielschichtigen und grenzüberschreitenden Prozess. Mit seinem fachlich hohen Niveau richtet sich das Heft in erster Linie an industriekulturelle Standorte, ist aber auch für ein breiteres Publikum interessant.

Die Reihe der Best-Practice-Vorträge eröffnete Gérald Colleaux, Programmleiter im Referat für Bildung und Kultur der Europäischen Kommission. Sein kurzes Portrait der Initiative „Europäisches Kulturerbe-Siegel“ zeigte, wie die EU das gemeinsame und zugleich vielfältige Kulturerbe Europas an herausragenden historischen Schauplätzen sichtbar machen will. Walter Hauser vom LVR-Industriemuseum blickte in seinem Vortrag auf ein erfolgreiches Schüleraustauschprogramm zwischen den Industriemuseen im englischen Cromford und der Textilfabrik Cromford in Ratingen bei Düsseldorf – eine Kooperation mit Vorbildfunktion für andere ERIH-Standorte. Mehrere Länder,  so Ernst Miglbauer vom Invent-Büro OÖ, arbeiten auch bei der Wiederbelebung der historischen  Vennbahntrasse mit, einer ehemaligen Bahnlinie, die nun als Radweg einige Städte mit bedeutender Industriegeschichte verbindet. Harry van Royen von der Projektvereinigung Erfgoed Rupel wiederum beschäftigte sich mit der Herausforderung, die materiell kaum noch überlieferte belgische Ziegelindustrie und deren internationale Bedeutung zu dokumentieren. Den Abschluss bildete Karel Malik mit der Vorstellung der europaweiten Verflechtungen des neuen ERIH-Ankerpunkts Vítkovice im tschechischen Ostrava.

Drei lebendige Workshops standen am Nachmittag des Konferenztages auf dem Programm. In einem regen Erfahrungsaustausch ging es zunächst um eine bessere Verankerung von ERIH auf nationaler Ebene. Innovative Vorschläge erarbeiteten die Teilnehmer überdies zu der Frage, welche Aktivitäten für die ERIH-Standorte während der kommenden Förderperiode (2017-2020) sinnvoll sein könnten. Viele gute Ideen erbrachte auch das Brainstorming zu möglichen gemeinsamen Beiträgen des Netzwerks im Europäischen Kulturerbejahr 2018. Details dazu folgen.

Das Rahmenprogramm war wie immer vielfältig und umfasste auch die weitere Umgebung Portos, unter anderem auch Guimarães, die erste Hauptstadt Portugals und „Wiege der Nation“. Ob Hutproduktion, Schneidwarenherstellung, Fischverarbeitung, Eisenbahnmuseum oder die älteste Textilfabrik des Landes: Die Besichtigungen untermauerten die Bedeutung der Region als Zentrum einer traditionsreichen Industriegeschichte. Porto selbst zeigte sich mit  der 1996 als Welterbe klassifizierten Altstadt, dem nahe gelegene Strand und dem grandiosen Wetter von seiner charmantesten Seite.

ERIH Präsident Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig bedankte sich bei den Organisatoren und Gastgebern für die gelungene Konferenz und lud die Teilnehmer zur Jahreskonferenz 2017 ein, die voraussichtlich vom 20.-22. September 2017 in Kopenhagen stattfinden wird.´


Die Referate auf der Konferenz
Fotos von der Konferenz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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