ZUR INDUSTRIEGESCHICHTE VON SPANIEN

Die Industrialisierung vollzog sich in Spanien geografisch sehr unterschiedlich. Drei Regionen waren die Vorreiter: Euskadi (Baskenland), Asturien und Katalonien.

Im Baskenland konzentrierte sich die Eisenindustrie. Grund war das Vorkommen von Eisenerz mit niedrigem Phosphorgehalt, das hauptsächlich nach England exportiert wurde. Im 17. Jahrhundert gab es beinahe 900 Schmieden, von denen zahlreichen Überreste erhalten sind. Im Norden von Bilbao haben die alten Eisenerzminen eine beeindruckende Bergbaulandschaft erschaffen. An der 13 km langen Flussmündung von Bilbao konzentrierte sich eine große Anzahl von Industrien, die zahlreichen Zeugnisse des Abbaus von Mineralien und der Eisenproduktion hinterlassen haben.

Asturien weist ein enormes Erbe des Kohlenbergbaus auf. Das „Museo de la Mineria y de la Industria“ (MUMI – Museum des Bergbaus und der Industrie) in Entrego-San Vicente zeigt die industrielle Geschichte der Region auf Basis der Kohle.

In Katalonien konzentrierte sich der größte Teil der spanischen Textilindustrie, basierend auf kleinen und mittelgroßen Industrien, die über das ganze Gebiet verbreitet waren.

Im Süden Spaniens findet sich das spektakulärste Bergbauerbe von ganz Spanien. In Almadén (in der Region Castilla La Mancha) gibt es Zinnoberminen (Quecksilbersulfid). Das hier gewonnene Quecksilber diente zum Auswaschen des in den amerikanischen Kolonialminen vorkommenden Goldes. Die Stätte wurde zum UNESCO-Welterbe erklärt.

In Andalusien setzte der Industrialisierungsprozess aufgrund seines großen Erzreichtums früh ein. Zu den Stätten, die große Bedeutung auf spanischer und internationaler Ebene haben, gehören die Kupferminen von Rio Tinto und die Bleiminen in Jaén. Im Gebiet der schon seit vorrömischer Zeit ausgebeuteten Minen von Rio Tinto entstand durch den kompromisslosen Abbau der Ressourcen eine eigentümliche Landschaft. Ebenso charakteristisch ist die Landschaft bei Jaén, geprägt durch die vereinzelt im weiten Gelände liegenden so genannten Cornwall-Maschinenhäuser. Aber es gibt in Andalusien auch viele Minen zum Abbau anderer Rohstoffe wie Eisen, Gold, Silber, Schwefel und Kohle.

In der Region von Murcia, im Süden von Valencia an der Mittelmeerküste, regt die „Sierra Minera“; das „Bergbaugebirge“, heraus. Hier haben Silber, Blei und andere Mineralien bereits in der Antike Cartago-nova (Cantagena) reich gemacht. Die intensive Ausbeutung der Minen nach dem Bürgerkrieg hat ein großes Territorium mit gewaltigen Umweltproblemen, aber gleichwohl interessanten Bergbaustätten hinterlassen.

Überraschend ist, dass zwei heute für ihren Tourismus bekannte Städte die ersten industriellen Zentren Spaniens bildeten. In Marbella wurden 1826 die ersten Hochöfen Spaniens errichtet, von denen noch Teile der Konstruktion verblieben sind. In Malaga entstanden verschiedene Industrien, besonders im Textilsektor, von denen nur wenige Zeugnisse überlebt haben.

Im Flussdelta des Guadalfeo in der Provinz von Motril gibt es die letzten Reste der Rohrzuckerindustrie, einmalig in Europa.

Nach: Eusebi Casanelles, Miguel Álvarez-Areces „Industrielles Erbe in Spanien“ (Industriekultur 4.13, S. 2 ff)

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