Abraham Ganz (1815 – 67)

Abraham Ganz gründete in Budapest ein Ingenieurunternehmen, das zum größten seiner Art in ganz Ungarn heranwuchs und dessen Einfluss auf Entwicklungen speziell in der Walzwerktechnologie und im Bereich elektrischer Zugmaschinen weit über die Grenzen des Habsburger Reichs hinausging.

 

Er wurde in Unter Embrach in der Schweiz geboren und absolvierte seine Lehre in einer Züricher Gießerei, bevor er weitere Berufserfahrung in Frankreich, Deutschland, Italien und Österreich sammelte. 1841 zog er nach Pest und war dort mit dem Bau des Szechenyi-Walzwerks beschäftigt, das in technologischer Hinsicht ganz neue Wege ging. 1843 verlor er durch herumfliegende Metallsplitter ein Auge. Ein Jahr später eröffnete er in Buda seine eigene Gießerei mit zunächst sieben Angestellten. Zunächst spezialisierte er sich auf die Produktion von Eisenbahnrädern. In diesem Zusammenhang sicherte er sich 1856 ein Patent auf ein Herstellungsverfahren, bei dem die Räder in Formen gegossen wurden, die mit puderförmigen Antimon beschichtet waren. Darüber hinaus produzierte er Gleisanlagen für Eisenbahnen und gegossene Bauteile für Brücken und beschäftigte zum Zeitpunkt seines Todes 371 Menschen.

 

Danach stand die Firma unter der Leitung von Andras Mechwart (1834-1907), den Ganz 1859 nach Budapest eingeladen hatte. Mechwart stammte aus Schweinfurt und hatte an der Universität von Augsburg Maschinenbau studiert. Er entwickelte die Walzwerktechnologie weiter, indem er statt der bis dahin eingesetzten Porzellanwalzen gekühlte Walzen aus Gusseisen verwendete. In den 1870er Jahren war ein solches von Wasserturbinen angetriebenes Walzwerk die Grundlage für den Erfolg des Unternehmens.

 

1878 wurde eine Abteilung für Elektrotechnik gegründet, in der drei Angestellte 1884 den Drehstromtransformator entwickelten. Ihr erstes Elektrofahrzeug produzierte die Firma 1892. Danach erhielt sie zahlreiche Aufträge zum Bau von Straßenbahnsystemen und zur Elektrifizierung von Eisenbahnlinien. Zudem lieferte sie Betriebsanlagen zur Stromerzeugung und -umschaltung.

 

1991 verschmolz das Werk mit einem italienischen Konzern zu dem Unternehmen Ganz-Ansaldo. Viele der firmeneigenen Produkte sind heute im Ontodei-Museum zu sehen, untergebracht in Gießereigebäuden, die auf das Jahr 1858 zurückgehen und bis 1964 in Betrieb waren.