ÜBER UNS - ZUR GESCHICHTE VON ERIH

Die Anfänge von ERIH gehen noch in das letzte Jahrtausend zurück; im Jahr 1999 wurde die Idee geboren, ein europaweites Netzwerk aufzubauen, das die Entwicklung der Industriekultur hin zu einer „Marke“ im Tourismusbereich unterstützt. Was steckt hinter dieser Idee?

Die Geschichte der Industrie ist ein wesentlicher Teil der europäischen Geschichte, denn nichts hat diesen Kontinent so geprägt wie die ca. 200 Jahre seit Beginn der Industriellen Revolution.

Es gibt viele europäische Gemeinsamkeiten zu entdecken: Die Lebens- und Arbeitsbedingungen im industriellen Zeitalter waren mehr oder weniger identisch – ein Bergmann im Ruhrgebiet oder in den walisischen Tälern grub mit denselben Mitteln und unter sehr ähnlichen Bedingungen nach derselben Kohle. Und diese Bergleute wanderten quer durch den Kontinent auf der Suche nach dem »Schwarzen Gold«. Das Beispiel verdeutlicht, dass Industriegeschichte eine gemeinsame Erinnerung aller europäischen Völker ist, ein Teil der gemeinsamen europäischen Identität. Heute erinnert man sich in allen Ländern unseres Kontinents an diese Zeit, die für uns Vergangenheit geworden ist. Zeichen der Erinnerung sind die vielen Tausend industrielle Denkmale geworden, die in allen alten Industriegebieten gepflegt und bewahrt werden. Sie sind nicht nur eine Erinnerung an unser Technik-, Sozial- und Migrationsgeschichte. Sie sind ein Symbol für eine gewachsene Identität der Bürgerinnen und Bürger. Auch diese gilt es zu schützen, denn ohne Herkunft gibt es keine Zukunft.

Häufig sind Industriedenkmale in den letzten zwei Jahrzehnten auch ein Symbol für den Wandel geworden. Nicht nur museale Erinnerungen kann man in ihnen produzieren. Man kann in ihnen wieder leben und arbeiten. Man kann ich ihnen Neues produzieren, aber genauso wieder klassische Produkte und Waren, oder die Produkte und Dienstleistungen der neuen „Creative Industries“. „Regeneration through Heritage“ ist das bekannte Stichwort.Und nicht zuletzt: Tausende der »Kathedralen der Arbeit« sind Attraktionen des Kultur-Tourismus in Europa geworden. Millionen machen sich auf den Weg, es herrscht Aufbruchsstimmung in den alten Fabriken – Industrietourismus ist kein Nischenmarkt, sondern eine breite Bewegung, die auf großes Interesse stößt.

Der Unterhalt, auch die museale Inszenierung alter Industrieanlagen erfordert innovative Lösungskonzepte und ist eine Herausforderung. Keine Last, vielmehr eine Lust, denn die Chancen sind groß, alte Industriegebiete zu neuen lebendigen Zentren unserer Städte zu machen. ERIH möchte dies als touristisches Informationsnetzwerk zum industriellen Erbe in Europa unterstützen.

EU FÖRDERT DEN AUFBAU DES ERIH-NETZWERKES

Von der Idee konnten Partner aus verschiedenen Ländern (B, D, GB und NL) überzeugt werden. Gemeinsam beantragte man Mittel aus dem EU-Förderprogramm INTERREG-IIC (Nord-West-Europa) für die Erarbeitung eines Masterplans - und hatte Erfolg. Der 2001 vorgelegte Masterplan zeigt das tourismuswirtschaftliche Potenzial einer „Marke Industriekultur“ auf und stellt die mögliche Struktur eines europaweiten Netzwerkes vor (Ankerpunkte und deren Auswahlkriterien, regionale Routen, Themenrouten).

Mit einer weiteren Förderung der EU (INTERREG IIIB-Nord-West-Europa) konnte der Aufbau von ERIH realisiert werden, zunächst in den Ländern Nordwesteuropas (Förderbereich), gegen Ende der geförderten Aufbauphase bereits mit einer ersten Ausdehnung auf weitere Länder.

  • Inhalt des Förderantrages

    Inhalt des Förderantrages

    Im seinerzeitigen Förderantrag zur Realisierung des Netzwerkes wurden das Projekt und seine Inhalte - kurzgefasst - wie folgt beschrieben:

    "Nord West Europa war die Wiege der Industriellen Revolution. Das Erbe des tiefsten Strukturwandels in der Wirtschaftsgeschichte ist ein entscheidendes Element in der Geschichte des Kontinents. Aber, als Ergebnis des modernen Strukturwandels, sind viele Teile Europas deindustrialisiert, übrig geblieben sind Arbeitslosigkeit und Verfall.Der Unterhalt alter Industrieanlagen ist teuer und erfordert innovative Lösungskonzepte. Eine aufgelassene Industrieanlage wird bisher selten als kulturelles Erbe betrachtet. Da Industriegeschichte ein gemeinsames Europäisches Erbe ist und der Erhalt der Industriedenkmäler eine schwierige Herausforderung, befand man, dass diese Aufgabe gemeinsam durch Kooperation der Europäischen Mitgliedsstaaten gelöst werden könnte.

    Um die Wertschätzung, das Verständnis, den Erhalt und die Vermarktung dieser gemeinsamen Geschichte als Mittel für Wirtschaftswachstum zu ermutigen, wurde das Europäische Netzwerk für Industriekultur im ersten ERIH Projekt unter Interreg IIC gegründet. Im Rahmen dieses Projektes wurde ein Masterplan entwickelt, der konkrete Ideen und Aktivitäten benennt, um die europäische Industriekultur zu vermarkten.

    Ziele
    Das Ziel des auf fünf Jahre angesetzten Projektes, das von einem Dutzend Behörden, Universitäten, gemeinnützige, Industiekultur-Organisationen sowie Tourismusstellen aus drei Ländern, die das Herz der Industriellen Revolution bilden, getragen wird, ist die Umsetzung dieses Masterplans, der in ERIH I entwickelt wurde. Das gemeinsame Ziel ist es, die Europäischen Standorte der Industriekultur zu schützen und ihren Erhalt als Antrieb für die Entwicklung von Regionen, die oftmals vom wirtschaftlichen Verfall bedroht sind, zu nutzen.

    Hauptaktivitäten
    ERIH möchte sich als Europäische Marke für Industriekultur etablieren. Um diese Marke bekannt zu machen, entwickelt ERIH ein Corporate Design, das ein gemeinsames Logo, Beschilderung und Druckerzeugnisse beinhaltet.

    Das ERIH Netzwerk soll den transnationalen Erfahrungsaustausch, die Entwicklung gemeinsamer Marketingstrategien und grenzübergreifender Initiativen anregen. Das wichtigste Kommunikationsinstrument des Projektes wird die ERIH Webseite sein. Diese wird einerseits als Forum für den Erfahrungsaustausch von Experten genutzt, andererseits auch als Werbeplattform, um Industriekultur einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Verlinkungen auf Webseiten der Tourismusbüros und anderer Organisationen sollen helfen, das öffentliche Bewusstsein zu steigern, mehr Besucher anzulocken und den interdisziplinären Ansatz von ERIH zu sichern. Die Webseite wird auch als Vermarktungsinstrument für die Europäische Industriegeschichte genutzt und als virtuelle Bibliothek für Berichte und Dokumentationen, die im Rahmen des Projektes entwickelt werden. Die Projektbeteiligten werden zusätzlich ein viersprachiges Faltblatt veröffentlichen und Broschüren über die Regionalen Routen.

    Das Routensystem
    Ein zentrales Element des Projektes ist es, ein Netzwerk von Ankerpunkten, ca. 60 wichtigen Industriekulturellen Denkmälern, die über eine gut entwickelte Tourismusinfrastruktur verfügen, zu entwickeln. Für die Auswahl der Ankerpunkte wird ein Qualitätssiegel entwickelt. Die Aufgabe der Ankerpunkte, die durch Beschilderung im Innen- und Außenbereich kenntlich gemacht werden, ist es, Informationen über Industriekultur bereit zu halten und die ERIH Philosophie zu vermarkten. Von all diesen Ankerpunkten werden „Regionale Routen“ ausgehen, die kleinere Industriekulturelle Standorte einbinden.

    Die Entwicklung der Regionalen Routen, die in den Partnerregionen durchgeführt wird, soll Touristen anregen, die Industriedenkmäler in der Region zu besuchen und somit den Tourismus vor Ort ankurbeln. Neben diesen Aktivitäten werden die Projektpartner Europäische Themenrouten entwickeln, die die geschichtlichen und industriekulturellen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Europäischen Ländern aufzeigen. Im Gegensatz zu den Regionalen Routen, sind die virtuellen EuropäischenThemenrouten darauf ausgerichtet, den Erfahrungsaustausch zwischen Experten und Special-Interest Groups anzuregen.

    ERIH plant, das Netzwerk europaweit auszudehnen und Partner aus anderen Ländern zu integrieren. Dafür werden Seminare und Workshops veranstaltet, die eine breitere Öffentlichkeit über die Vorteile des Netzwerks informieren sollen."

  • Projektpartner in der Aufbauphase

    Projektpartner in der Aufbauphase

    PROJEKTPARTNER UND KOFINANZIERS DER INTERREG IIIB-FÖRDERUNG:

    D:  Nordrhein-Westfalen Tourismus e.V., Köln/Düsseldorf (Leadpartner)
    D:  Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW, Düsseldorf
    D:  Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes NRW, Düsseldorf
    D:  Projekt Ruhr GmbH, Essen
    D:  Weltkulturerbe Volklinger Hütte, Völklingen
    GB: Borough of Telford and Wrekin, Telford
    GB: Essex County Council, Chelmsford
    GB: Field Archaelogy Centre, University of Manchester, Manchester
    GB: Torfaen County Borough, Torfaen
    NL: Provincie Noord-Holland Afdeling Zorg, Welzijn en Cultuur, Bureau, Monumenten & Archaeologie, Haarlem
    NL: Stichting Industriecultuur Nederland, Alkmaar

HAUPTAKTIVITÄTEN

Um diese Marke bekannt zu machen, entwickelte ERIH ein Corporate Design, das ein gemeinsames Logo, eine Beschilderung vor Ort und Medien zur Information beinhaltet.

Das wichtigste Kommunikationsinstrument des Projektes ist die ERIH Webseite. Sie ist eine Werbeplattform, um Industriekultur einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um Reisen zu ihren Denkmalen anzuregen. Viele Informationen und Links auf Webseiten der Tourismusbüros und anderen Organisationen sollen helfen, mehr Besucher anzulocken. Die Webseite ist mit ihren Hintergrund-Informationen zur Europäischen Industriegeschichte auch eine virtuelle Bibliothek. Ziel ist auch, die Website als Forum für den Erfahrungsaustausch von Experten und Interessierten zu nutzen.

ERIH bietet aber auch Tagungen und Treffen der Beteiligten, die einen persönlichen Erfahrungsaustausch fördern.

Per Newsletter, Pressemitteilungen und auf der ERIH-Facebookseite werden Neuigkeiten rings um das Netzwerk und allgemein zum Thema Industriekultur verbreitet.

Schließlich hilft ERIH dabei, die Zusammenarbeit seiner Standorte mit den Marketingorganisationen des Tourismus zu stärken.

DAS WICHTIGSTE: THEMENORIENTIERTES NETZWERK-MARKETING

Netzwerk-Marketing in einem thematisch ausgerichteten Netzwerk ist einer der wenigen für die Industriekultur zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, im Dschungel der zahlreichen Marken des Tourismus und des unübersehbar großen Medienaufgebotes sichtbar und wirksam zu werden.

Das Thema "Industriekultur" existiert bereits mit sehr vielen Standorten im europäischen Markt. Nur werden die einzelnen Standorte alleine nicht oder schlecht wahrgenommen. Statt nun in Konkurrenz zu anderen Standorten und Regionen zu treten, ist es sinnvoller, die Wahrnehmbarkeit des Themas insgesamt durch Kooperation zu erhöhen; davon profitieren die Partner mehr, als wenn sie als Einzelner nur eine geringere Wahrnehmbarkeit erzielen (können).

Und: An den bereits bekannten und etablierten Standorten sind Millionen Besucher (Kunden) schon heute vorhanden, die bereits am Thema und damit an anderen Standorte interessiert sind. Unser Ziel ist daher, dass alle diese Kunden über alle anderen Standorte »vor Ort« (und im Internet) informiert werden. Auf diese Weise sind die so wertvollen »direct-customer-contacts« in einer überraschend hohen Zahl möglich. Auf jeden Fall ist die Zahl dramatisch höher, als sie alleine oder mit klassischen Methoden des Marketings erzielbar wäre. Und das zu relativ geringen Kosten – unseren Mitgliedsbeiträgen. Niemand wäre alleine in der Lage, eine vergleichsweise effektive Marketing-Strategie zu finanzieren.

Der Erfolg dieses Prinzips ist jedem bekannt: Ein Shopping-Center funktioniert auch hier nicht anders. Die Werbebotschaft erfolgt gemeinsam und der Erfolg vor Ort wird auch geteilt. Noch eines: Die Wahrnehmbarkeit wird nicht nur durch das attraktive Thema bestimmt, sondern auch vor allem durch die Standortqualität. Ausgewählte und besonders gut wahrnehmbare Standorte mit hoher Qualität sollen daher als »Ankerpunkte« für das Marketing bzw. für die Wahrnehmbarkeit dienen. Mit ihnen wird für das gesamte Netzwerk geworben, sie stehen für die besondere Qualität des Netzwerkes. Es gibt also eine Hierarchie der Außenwahrnehmung, die kleineren Standorte auf den Regionalen Routen und den »Europäischen Themenrouten« profitieren dann davon.

Unser Motto lautet: "Alle für einen – einer für alle"

... UND HEUTE?

ERIH hat sich zum größten touristischen Informationsnetzwerk zum industriellen Erbe in Europa entwickelt.

Es wird von einem Verein nach deutschem Recht getragen, der nach Auslaufen der INTERREG-Förderung im Jahr 2008 gegründet wurde und dessen Mitgliederzahl stetig steigt.

Während auf der ERIH-Webseite am Ende der Aufbauförderung rd. 650 touristisch attraktive industriekulturelle Standorte mit einem Schwerpunkt in Nordwesteuropa vorgestellt wurden, ist diese Zahl mittlerweile auf über 1400 in 45 Ländern Europas angewachsen.

EU UNTERSTÜTZT ERIH ERNEUT

Der weitere Ausbau des Informationsportals sowie zahlreiche andere Aktivitäten sind wesentlich einer erneuten Unterstützung durch die Europäische Union zu verdanken: Seit Oktober 2014 erhält ERIH als anerkanntes europaweites Netzwerk zum industriellen Erbe Europas eine Netzwerkförderung aus dem EU-Programm "Creative Europe". Die Förderung ermöglicht es u.a. auch, das Netzwerk als Plattform für den Erfahrungsaustausch auf regionaler und europäischer Ebene zu nutzen. Hierzu tragen insbesondere die jährlichen ERIH-Konferenzen bei, die jeweils ein aktuelles industriekulturtouristisches Thema zum Inhalt haben.

Sind Sie interessiert? Hier geht es zu unseren Informationen über eine Mitgliedschaft im ERIH e.V.