Manufaktura | Fabrikmuseum

Stefan, Mietek, Dolores und Ziuta sind den örtlichen Museumsführern besonders ans Herz gewachsen. Hinter den Namen verbergen sich vier noch erhaltene historische Webstühle, die regelmäßig im Schaubetrieb zeigen, wie im Lodz des ausgehenden 19. Jahrhunderts industrielle Webtechnik funktionierte. Die Vorführung ist Teil eines interaktiven Rundgangs, der Besuchern des Fabrikmuseums im Shopping-Komplex Manufaktura den Weg der Baumwolle von der Kapsel bis zum fertigen Gewebe vor Augen führt. Wie fühlt sich rohe, gesponnene oder gewebte Baumwolle an? Welche Technik wurde eingesetzt? Wie sah der Alltag der Arbeiter aus? Maschinen, Dioramen, Dokumentarfilme und Modelle inszenieren auf kleinem Raum eine virtuelle Fabrik, die einst zu den größten Textilwerken Europas zählte. Ihr Gründer, der jüdische Unternehmer Israel Poznanski, schuf mit ihr ein Industrie-Imperium, das durch die Nazibarbarei ein grausames Ende fand. Die baulichen Reste dagegen haben die Kriege und Wirtschaftskrisen der Vergangenheit erstaunlich gut überstanden. Nach einer umfassenden Renovierung präsentieren sie sich heute als lebendiges Einkaufs-, Unterhaltungs- und Kulturzentrum und als Tourismusmagnet der Stadt.

Geschichte

Hätte es zu seiner Zeit schon die Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt gegeben, er hätte sicherlich darauf gestanden: Israel Kalmanowicz Poznanski. Als Industriemagnat hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass sich Lodz, Ende des 18. Jahrhunderts ein Dorf mit 170 Einwohnern, im 19. Jahrhundert zu einer führenden europäischen Textilmetropole aufschwang.

1872 errichtete Poznanski sein erstes Werksgebäude: die so genannte Niedrige Weberei, ein Flachbau mit 200 aus England importierten mechanischen Webstühlen. Deren Zahl hat sich nur ein Jahr später verdoppelt und bis Ende der 1880er Jahre mehr als verzehnfacht. Zu dieser Zeit ist aus dem Industriestandort längst eine Stadt in der Stadt geworden. Namhafte Architekten wie Hilary Majewski bauen im Auftrag von Poznanski Fertigungshallen und mehrstöckige Fabriken mit reich verzierten Backsteinfassaden. In kurzer Folge entstehen Webereien, Spinnereien, Bleichereien, Färbereien, Magazine, Speicherbauten, ein aufwändiger Schlossbau als Wohnsitz des Eigentümers, außerdem Läden, eine Werkssiedlung mit fast 1.100 Wohnungen für mehr als 4.000 Menschen, eine Kirche und sogar eine werkseigene Feuerwehr. Später kommt noch ein Kraftwerk hinzu, dessen Turbogeneratoren von 30 Dampfkesseln angetrieben werden.

Der Überfall Nazideutschlands auf Polen mündet auch in Lodz in die fast vollständige Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Unter kommunistischer Herrschaft wird der Fabrikkomplex verstaatlicht. Nicht genutzte Gebäude verfallen, in den 1990er Jahren geht das Textilwerk ganz außer Betrieb. Die Instandsetzung des historischen Industrieareals ist das größte polnische Projekt dieser Art seit dem Wiederaufbau der Altstadt von Warschau. Auf einer Fläche, die 25 Fußballplätzen entspricht, werden zwischen 2000 und 2006 13 historische Gebäude restauriert und einer neuen Nutzung als Museen, Hotels, Restaurants, Kinos und sonstigen Freizeiteinrichtungen zugeführt. Eine moderne Shopping Mall mit 240 Ladenlokalen macht das Manufaktura genannte Trendviertel komplett.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 3 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 45 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Museum:
Dienstag - Freitag 09.00-19.00 Uhr
Samstag, Sonntag 11.00-19.00 Uhr

Manufaktura:
Montag - Samstag 10.00-22.00 Uhr
Sonntag 10.00-21.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder