LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller

In der Luft hängt Staub, es riecht nach Öl und Wolle. Kaffeebecher stehen vergessen neben den Maschinen, ein paar Zigarettenschachteln liegen nachlässig herum. Im Kontor des Fabrikanten: ein Tresor mit Einschußlöchern aus dem Zweiten Weltkrieg und Akten auf vergilbtem Papier. Plötzlich erbebt der Boden. Ächzend setzt sich die alte Dampfmaschine in Bewegung, die Fabrik erwacht zu unverhofftem Leben: Die mächtige Krempelmaschine kämmt lose Wolle, riesige Spinnmaschinen machen gleichmäßige Fäden daraus, automatische Webstühle klappern und rasseln, Schiffchen schießen hin und her... Wer die Tuchfabrik Müller in Euskirchen betritt, glaubt zu träumen. Sind die Arbeiter mal eben in der Mittagspause? Aber wer steht heute noch an Maschinen anno 1900? Die Antwort: niemand, schon seit 1961 nicht mehr. Damals wurde die Fabrik einfach zugemacht, wie sie war. Heute ist sie einer von sechs Schauplätzen des Rheinischen Industriemuseums. Ergänzt durch eine Ausstellung in einem benachbarten Museumsneubau erzählt sie, wie aus Wolle Kleider wurden. Und auch, welche Arbeit dahinter steckte. Das ist, als würde man den Arbeitern dabei über die Schulter gucken.

LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Str. 25b
53881 Euskirchen
Kreis Euskirchen
Deutschland
+49 (0) 2234 - 9921555
Homepage

Geschichte

Die Tuchfabrik Müller begann ihre Karriere als einfache Papiermühle. Wolle hielt erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts Einzug, als sich hier eine Spinnerei und Tuchwalkerei niederließ. 1894 erwarb der Euskirchener Tuchfabrikant Ludwig Müller das Gebäude. Sein Plan war, von der Wollfaser bis zum fertigen Kleidungsstück alles selbst zu produzieren – unter einem Dach. Damit lag er voll im Trend. Im Trend lag er auch mit seiner Produktpalette: Kleidung aus grober Wolle, Lodenstoffe, Uniformen. Ganz und gar ungewöhnlich war jedoch, daß er seine Fabrik nie modernisierte. Der Maschinenpark, den er um 1900 angeschafft hatte, wurde niemals ausgetauscht, ebensowenig die Dampfmaschine von 1903. Fast 60 Jahre lang hielt sie mit ihren altertümlichen, aber immer noch funktionstüchtigen Transmissionsriemen den Betrieb in Gang. Zuletzt gingen die Geschäfte immer schlechter, 1961 blieben die Aufträge vollends aus. Selbst da noch hoffte der damalige Besitzer Kurt Müller auf eine vorübergehende Durststrecke: Er schickte die Arbeiter nach Hause, schloß die Fabrik ab, wie sie war, und wartete auf bessere Zeiten. 30 Jahre später ergriff das Rheinische Industriemuseum die Gelegenheit und übernahm die eingemottete Fabrik, um daraus einen einzigartigen Museumsstandort zu machen. Das Gebäude wurde umfassend restauriert, der Staub der Jahrzehnte entfernt, die Maschinen repariert. Die übrige Ausstattung blieb so weit wie möglich unangetastet, eingeschlossen zurückgelassene Zigarettenschachteln und Kaffeebecher. Das Ergebnis: eine lebensechte Tuchfabrik, die noch genauso aussieht und arbeitet wie vor drei Generationen. Der Krach der ratternden Maschinen, Videoausschnitte von Interviews mit den ehemaligen Arbeitern, Beschreibungen von Hitze und Dampf in der Färberei – das alles erlebt der Besucher so unmittelbar, als wäre er selbst dabei gewesen. Zur Vertiefung dieser Eindrücke dient ein Museumsneubau mit einer umfassenden Einführung in die Welt der Textilindustrie.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 2 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 60 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Dienstag - Freitag 10.00-17.00 Uhr
Samstag, Sonntag 11.00-18.00 Uhr

Das Fabrikgebäude ist nur im Rahmen von Führungen zu besichtigen:
Dienstag bis Samstag 11.00, 14.00, 15.30 Uhr
Sonntag stündlich von 11.00-16.00 Uhr

  • Führungen für Kinder