Welterbe Bergwerk Blegny

Les Gueules Noires - die schwarzen Gesichter: So nannten die Wallonen ihre Kohlekumpel. Italiener, Tschechen, Ungarn, Polen, Russen, Türken und natürlich Belgier schufteten schichtweise, um Lüttichs unersättliche Hochöfen mit Kohle zu füttern. Die Zeche bei Blegny war bei ihrer Schließung 1980 die älteste und zugleich letzte noch betriebene Grube der Region. Wer hier mit dem Förderkorb einfährt, kann in den unterirdischen Stollen die Geschichte des industriellen Bergbaus fast lückenlos nachvollziehen: von den oft mörderischen Arbeitsverhältnissen vor rund 200 Jahren bis zu den automatisierten Fördermethoden des späten 20. Jahrhunderts. Oberirdisch erleben Museumsbesucher die Vergangenheit der örtlichen Kohleförderung fast ebenso hautnah - dank infrarotgesteuertem Audioführer, Lichteffekten, Animationen, authentischen Rekonstruktionen und einer spannenden Tonbildschau, die die Entstehung der Steinkohle in Szene setzt. Die Besichtigung der Sortier- und Kohlenwäsche ergänzt das Museumsprogramm. Auch die Umgebung hat viel zu bieten. Ein Haldenspaziergang, Kinderspielplätze, Minizoo, Minibahn oder eine Schiffstour nach Lüttich bieten gerade Familien reichlich Abwechslung.

Welterbe Bergwerk Blegny
Domaine Touristique de Blegny-Mine
Rue Lambert Marlet, 23
4670 Blegny
Belgien
+32 (0) 4 - 3874333
Homepage

Geschichte

Als „Eisenschmiede Europas“ war Lüttich einmal bekannt. Das passt zu der stolzen Behauptung der Wallonen, sie hätten die von England ausgehende Industrielle Revolution über den ganzen Kontinent verbreitet. Tatsächlich verfügte die Region über reiche Erz- und Kohlevorkommen. Bereits kurz nach 1800 verwandelte sich die Umgebung Lüttichs in ein betriebsames Kohlerevier. Vier der wallonischen Zechen - Bois-du-Luc, Bois du Cazier, Blegny-Mine and Grand-Hornu - stehen mittlerweile auf der UNESCO-Liste des Welterbes. Unter ihnen vertritt das Bergwerk bei Blegny eine Phase der Industrialisierung, die etwa von 1860 bis 1960 dauerte und in der Elektrizität und Verbrennungsmotoren Einzug in die Produktion hielten. Insgesamt blickt Blegny allerdings auf eine deutlich längere Geschichte zurück. Bereits im 16. Jahrhundert begannen Mönche des nahe gelegenen Klosters Val-Dieu mit der Ausbeutung der örtlichen Kohlevorkommen. Die industrielle Förderung setzte zu Anfang des 19. Jahrhunderts ein und hielt bis zur Einstellung des Betriebs im Jahr 1980 an. All dies zusammen macht Blegny zu einem einzigartigen Zeugnis der wallonischen und auch europäischen Industriegeschichte.

Den europäischen Kontext spiegelt nicht zuletzt die bunt zusammengewürfelte Belegschaft. So groß war der Energiebedarf der Lütticher Stahlwerke, dass die Bevölkerung Walloniens bei weitem nicht ausreichte, um die erforderlichen Steinkohlemengen zu fördern. Gleich mehrere Immigrationswellen waren nötig, um die Zechen mit ausreichenden Arbeitskräften zu versorgen. Die kamen im 19. Jahrhundert überwiegend aus Flandern und Frankreich. Im 20. Jahrhundert und speziell in der Zwischenkriegszeit erweiterte sich der Radius der Herkunftsländer: im Osten Europas bis nach Polen und Ungarn, im Süden bis Italien. Nach ihrer Stilllegung wurde die ehemalige Zeche in ein Schaubergwerk samt Museum umgewandelt. Heute gehört Blegny zusammen mit weiteren Industrie-Denkmälern zur regionalen Industriekulturroute „Route du Feu / Straße des Feuers“.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 4 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 120 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Bergwerksmuseum
März und Mitte September bis November:
Samstag, Sonntag, Feiertag 10.00-17.00 Uhr
April bis Mitte September:
täglich 10.00-17.00 Uhr
Februar bis Dezember Gruppen nach Voranmeldung

Grubenfahrten
September, Oktober:
Samstag, Sonntag, Feiertag 11.00-17.00 Uhr
April bis August:
täglich 11.00-17.00 Uhr
Februar bis Dezember Gruppen nach Voranmeldung 09.00-17.00 Uhr

Rundfahrten mit der Wegebahn
September, Oktober:
Samstag, Sonntag, Feiertag um 13.30, 14.30, 15.30, 16.30 Uhr
April bis August:
täglich um 13.30, 14.30, 15.30, 16.30 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder