Landschaftspark Duisburg-Nord

„Besenrein und wiederanblasfertig“: Das hört sich nicht gerade nach altem Eisen an. Trotzdem bleibt Hochofen 5 des ehemaligen Duisburger Thyssen-Hochofenwerks für immer kalt. Der Grund: Er steht jetzt mitten im Landschaftspark Duisburg-Nord. Der macht auf gut 200 Hektar Fläche unmißverständlich klar, daß Natur und Industriekultur bestens zusammenpassen. Wo einst Roheisen floß, erschließen jetzt 28 Kilometer Wander- und Radwege eine einzigartige Parklandschaft – auf Wunsch ergänzt durch industriegeschichtliche Führungen, Fackelführungen und geführte ökologische Streifzüge. Auch sonst ist jede Menge los. Der alte Gasometer etwa kann sich des größten künstlichen Tauchgewässers Europas rühmen, und in der Erzbunkeranlage unterhält der Deutsche Alpenverein einen anspruchsvollen Klettergarten. Wer höher hinaus will, wagt sich auf den Hochseilparcours am Hochofen. Für Kinder gibt es eine Riesenröhrenrutsche oder ländliche Idylle auf einem Lehr- und Lernbauernhof. Und Dampfgebläsehaus, Gießhalle und die 170 Meter lange Kraftzentrale sind heute begehrte Schauplätze ebenso ausgefallener wie hochkarätiger Events und Kulturereignisse.

Geschichte

Duisburgs Norden stößt erst relativ spät zum Revier. Genauer: um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Schwerindustrie das Ruhrtal zu eng wurde. Ab 1901 ließ August Thyssen im Duisburger Stadtteil Meiderich ein Hochofenwerk bauen. Bereits zuvor hatte er ganz in der Nähe Kohlefelder erworben. Denn ohne Kohle kein Eisen: Nicht umsonst hingen die fünf neuen Hochöfen von Anfang an am Tropf einer Seilbahn, die sie pausenlos mit Koks von der benachbarten Kokerei Friedrich Thyssen 4/8 versorgte.

 

Motor des Meidericher Hochofenwerks war die monumentale Kraftzentrale – ein wahrer Kathedralbau der Industriekultur. Darin: zehn Großgasmaschinen zum Antrieb von Dynamos, die das Werk und die benachbarte Werkssiedlung mit Strom versorgten. Wie sehr zu jener Zeit noch Wert auf Außenwirkung gelegt wurde, zeigt das Dampfgebläsehaus mit seinen Rundbogenfenstern und umlaufenden Ornamenten. Hochofen 5 dagegen steht für die Spätzeit der Industrieanlage. Erst 1973 in Betrieb genommen, erfüllte er mit seinem modernen Kühlsystem und seinen Winderhitzern strenge Umweltschutzauflagen.

 

Am 4.April 1985, nach über 80 Jahren Roheisenproduktion, schließt das Meidericher Hüttenwerk seine Pforten. Hochofen 5 bleibt „besenrein und wiederanblasefähig“ zurück, doch die Überkapazitäten auf dem europäischen Stahlmarkt verbieten jeden Gedanken an eine erneute Inbetriebnahme. Was also tun mit einer über 200 Hektar großen Industriebrache? Auf keinen Fall abreißen, finden engagierte Bürger und setzen sich erfolgreich dafür ein, das Hüttenwerk wegen seines hohen Denkmalwertes zu erhalten. Die Internationale Bauausstellung Emscherpark gibt dem Engagement eine Richtung: Von 1990 bis 1999 entsteht zwischen den Duisburger Stadtteilen Meiderich und Hamborn ein Park neuen Typs, der wildwachsende Vegetation, gestaltete Grün- und Gartenanlagen und stillgelegte Industriebauten miteinander verbindet. Seitdem entwickelt sich der Landschaftspark Duisburg-Nord kontinuierlich weiter.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 2 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 90 Minuten
Eintritt: frei
Barrierefreier Zugang: bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Der Park ist ganzjährig frei zugänglich.

Führungen:

Samstag, Sonntag, Feiertage 14.00 Uhr und auf Anfrage

 

Lichtinszenierung:

Freitag, Samstag, Sonntag, Feiertage nach Einbruch der Dämmerung

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder