LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs

Ein Museum, das noch richtig produziert? Eine Fabrikhalle, in der es knallt und zischt und mächtige Fallhämmer auf glühenden Stahl schlagen? In der Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen ist das Alltag. Wirklich stillgestanden haben die Maschinen hier eigentlich nie, auch 1986 nicht, nach der Schließung des Betriebs. Fast bruchlos übernahm damals das LVR-Industriemuseum nicht nur die Regie, sondern auch die Arbeiter der traditionsreichen Fabrik. Die brauchten den Blaumann gar nicht erst auszuziehen. Nach wie vor stehen sie an Maschinen und fauchenden Öfen und tun, was sie immer getan haben: Scheren schmieden. Nur sehen ihnen heute Museumsbesucher dabei zu – sprachlos die meisten, weil sie so hautnah dabei sein können. Und neugierig auf das, was die Gesenkschmiede alles zu bieten hat. Denn lebendiger als hier kann man die Geschichte der Solinger Schneidwarenindustrie kaum erzählen. Unglaublich, durch wie viele Hände eine Schere ging, bevor sie fertig war! Und wie die Fabrik den Alltag der Arbeiter und ihrer Familien prägte! Dagegen lebten die Fabrikanten wie auf einem anderen Stern. Deren Villa liegt direkt nebenan. Die gehört natürlich auch zum Museum.

LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs
Merscheider Str. 289 - 297
42699 Solingen
Deutschland
+49 (0) 2234 - 9921555
Homepage

Geschichte

Rund 120 Jahre hat sie auf dem Buckel: die Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen. Bis zur Stillegung 1986 wurden hier Scherenrohlinge für die örtliche Schneidwarenindustrie geschmiedet. Nur zwei Monate später erklärte das Rheinische Industriemuseum das gesamte Firmengelände mit allen Gebäuden und der kompletten technischen Ausstattung zum Museumsstandort. Und nicht nur das: Auch die Belegschaft blieb - acht Arbeiter und eine Buchhalterin. Heute machen sie Publikumsführungen durch ihre alte Firma. Oder sie stehen an den noch laufenden Fallhämmern und zeigen den Museumsbesuchern, wie man Scheren schlägt. Die Gründung des Familienbetriebs 1886 fiel in eine Zeit, in der Solingen einen beispiellosen Aufschwung erlebte. „Eine Werkstatt für die Welt“ – so nannte man die Kleinstadt im Bergischen Land damals. Millionen von Scheren, Messern und Waffen wurden hier jedes Jahr produziert. Dass gerade Solingen diesen Boom erlebte, ist kein Zufall – die ersten Stahlwaren gehen bereits auf das Mittelalter zurück. Die äußeren Bedingungen waren ideal: Eisenerze gab es in Hülle und Fülle, die Wälder sorgten dafür, dass die Schmiedefeuer immer brannten, und die Wupper und ihre zahlreichen Nebenflüsse lieferten die notwendige Wasserkraft für alle Schmiede- und Schleifarbeiten. Die Erfindung der Gesenkschmieden ließ Solingen zum weltweit größten Scherenproduzenten aufsteigen. Zwei bis vier Schläge eines Fallhammers genügten, um aus einem schmalen Stahlstab eine Scherenhälfte zu schmieden. Dafür sorgten die schweren, klotzartigen Gesenke – Präzisionswerkzeuge aus hochwertigem Stahl, in deren Oberfläche die Hohlform einer Scherenhälfte eingearbeitet ist. 33 Fallhämmer waren in der Firma Hendrichs in Aktion. Das machte sie zur größten Gesenkschmiede des Orts. Die Gesenke selbst kamen aus der eigenen Werkstatt. Dazu kam eine Schleiferei zur Weiterverarbeitung der Rohlinge. Auf diese Weise beherbergte die Fabrik die beiden Schlüsselindustrien Solingens unter einem Dach.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 2 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 90 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Dienstag - Freitag 10.00-17.00 Uhr
Samstag, Sonntag 11.00-18.00 Uhr

Hammerbetrieb (nicht an Feiertagen):
Dienstag - Freitag 10.00-12.00 und 14.00-16.00 Uhr
Samstag 11.00-12.00 und 14.00-16.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Führungen für Kinder