Wissenschafts- und Kulturzentrum Altes Bergwerk

Was für eine Plackerei: Bis zu drei Tonnen Kohle pro Schicht wuchteten Schlepper einst durch die Stollen im Wałbrzycher Revier – mit reiner Muskelkraft. Pferdewagen hielten erst in den 1820er Jahren Einzug, bis zum Einsatz von Güterloren ging sogar noch ein Jahrzehnt mehr ins Land. Heute erinnert ein hochmodernes Wissenschafts- und Kulturzentrum an die Zeit, als Wałbrzych (vormals Waldenburg) der wichtigste Kohlestandort in Niederschlesien war. Der Name des multikulturellen Themenparks - "Altes Bergwerk“ – geht auf die Zeche Julia zurück, die hier noch bis 1996 Kohle förderte. Ihre Übertage-Gebäude sind mittlerweile aufwändig restauriert und beherbergen unter anderem ein multimediales Museum zur Geschichte des niederschlesischen Steinkohlebergbaus. Historische Geräte und Maschinen spielen darin ebenso eine Rolle wie die Lebensbedingungen der Kumpel und ihrer Familien. Auch die traditionsreiche regionale Porzellanindustrie und Fragen des Umweltschutzes bekommen hier eine Bühne. Andere ehemalige Zechengebäude dagegen schlagen den Bogen in die Gegenwart. So präsentiert das alte Kesselhaus zeitgenössische polnische Kunst und die einstige Waschkaue gibt dem städtischen Kulturzentrum sowie dem Tanz- und Chorensemble Wałbrzych eine neue Heimat.

Wissenschafts- und Kulturzentrum Altes Bergwerk
Stara Kopalnia Centrum Nauki i Sztuki
ul. Wysockiego 29
58-305 Walbrzych
Polen
+48 (0) 74 - 6670900
Homepage

Geschichte

Spätestens seit 1536, so sagen die historischen Quellen, gibt es Steinkohlebergbau in Wałbrzych, doch bleibt er zunächst eine Randerscheinung. Zu jener Zeit heißt der Ort noch Waldenburg und gehört zum Königreich Böhmen. Im 17. und 18. Jahrhundert macht sich die Region vor allem mit Leinenhandel und Tuchweberei einen Namen - 1818 wird hier der erste mechanische Webstuhl auf dem europäischen Festland in Betrieb genommen.

Die Stunde der Steinkohle schlägt im 19. Jahrhundert. Um 1800 zählt das Waldenburger Bergland bereits 50 Zechen, über 1.000 Bergleute fördern fast 130.000 Tonnen pro Jahr. Das setzt eine umfassende Industrialisierung in Gang, in deren Mittelpunkt Chemiewerke, Stahlhütten und Maschinenfabriken stehen. Zudem entwickelt sich Waldenburg zu einem Zentrum der schlesischen Porzellanmanufaktur. 1834 entsteht hier die weltweit erste Porzellanfabrik mit Steinkohlefeuerung. Mit der Firma Krister siedelt sich überdies ein Porzellanhersteller an, der einmal zu Europas Branchenriesen gehören wird und dessen Produktion sich seit den 1950er Jahren unter dem Label "Krzysztof" fortsetzt. Nicht zuletzt hat der Beginn des industriellen Bergbaus und der Anschluss des Reviers an das Eisenbahnnetz 1853 einen deutlichen Anstieg der Einwohnerzahl Waldenburgs zur Folge: Von 1.540 im Jahr 1799 stieg sie auf gut 15.000 ein Jahrhundert später.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzt das nun polnische Wałbrzych weiter auf Steinkohleförderung. Erst mit der demokratischen Wende Polens 1989 kommt das Aus. Die Zeche Julia stellt 1996 ihren Betrieb ein – nach 226 Jahren! Bald darauf fällt die Entscheidung, sie zu einem Museum umzuwidmen. Am 9. November 2014 feiert dort das Wissenschafts- und Kulturzentrum Altes Bergwerk Eröffnung. Es verfolgt ganz bewusst ein Konzept, das Vergangenheit und Gegenwart der Stadt und ihrer Region verbindet. Den historischen Part übernimmt das Industriemuseum, das die spannende Wirtschaftsgeschichte Wałbrzychs nacherzählt. Auf der anderen Seite ist das "Alte Bergwerk" dank seiner Kunst- und Kultureinrichtungen heute ein lebendiger Ort der Begegnung.

Emfohlene Aufenthaltsdauer: 4 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 120 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

täglich 10.00-18.00 Uhr, letzter Einlass 16.00 Uhr

  • Nur mit Führungen
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder