Sächsisches Industriemuseum | Industriemuseum Chemnitz

Der Rahmen: eine denkmalgeschützte Fabrikhalle aus der Zeit um 1900. Darin: eine Ausstellung, gegliedert durch auffällig inszenierte Schlagwörter. „Konsumenten“ steht da oder „Unternehmer“, „Arbeiter“, „Kreative“, „Karl-Marx-Städter“. Von den Wänden blicken lauter Gesichter: historische und zeitgenössische, berühmte und unbekannte. Die Botschaft: Das Sächsische Industriemuseum in Chemnitz, vormals Karl-Marx-Stadt, zeigt nicht nur Technik, sondern auch Menschen. Denn die haben Sachsens Industrie im 19. Jahrhundert groß gemacht. Wie groß, das verdeutlicht die Vielfalt der Exponate – von der Dampflok bis zum Spitzenkragen. Und immer ist der Besucher mittendrin. Museumsvorführer setzen Textil- und Werkzeugmaschinen in Gang, eine ganze Textilstraße spinnt, strickt, klöppelt und webt die Geschichte der sächsischen Textilindustrie durch die Jahrhunderte, multimediale Info-Terminals erklären Zusammenhänge und beleuchten Hintergründe. Höhepunkt des erlebnisreichen Rundgangs: das einstige Maschinenhaus der Fabrik mit schmuckvollen Wandgemälden und einer Dampfmaschine anno 1896, die mehrmals wöchentlich unter Dampf gesetzt wird.

Sächsisches Industriemuseum | Industriemuseum Chemnitz
Zwickauer Straße 119
09112 Chemnitz
Sachsen
Deutschland
+49 (0) 371 - 3676110
Homepage

Geschichte

Eine durchlöcherte Blechdose und Löschpapier aus den Schulheften ihrer Söhne: Mehr brauchte die Dresdnerin Melitta Benz nicht, um 1908 den ersten Kaffeefilter der Welt zum Patent anzumelden. Ihre Heimat Sachsen war zu jener Zeit eines der produktivsten industriellen Zentren Europas. Besonders kleine und mittelständische Betriebe prägten das Bild, aber es gab auch große Namen: die Automobilfabrik August Horch in Zwickau, die Meißener Porzellanbetriebe, Kameras der Zeiss Ikon AG in Dresden und nicht zuletzt das traditionsreiche Leipziger Buch- und Verlagswesen. Chemnitz hatte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Textilstandort entwickelt. Strümpfe, Handschuhe, Trikotagen, Ballkleidung und Kostüme bis hin zu den modischen Extravaganzen der Roaring Twenties gingen von hier aus in alle Welt.

Die dafür notwendigen Maschinen – etwa komplizierte Strickautomaten – fertigten ebenfalls Chemnitzer Fabriken. Eine davon war die Hermann und Alfred Escher AG. 1907 ließ sie im damaligen Chemnitzer Industriegebiet eine vierschiffige Gießerei- und Montagehalle errichten. Das zugehörige Maschinenhaus unterstreicht mit seinem festlichen Dekor aus umlaufenden Zierfriesen und monumentalen Wandgemälden den Geltungsanspruch der Fabrikherren. Bis 1930 stellten hier rund 100 Arbeiter Gussteile für Maschinen her. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der VEB Gießerei Rudolf Harlaß die Produktionsanlagen. Als er 1982 in eine moderne Gießerei umzog, blieben die nunmehr restlos abgewirtschafteten Industriebauten sich selbst überlassen – bis zum Mai 1990. Da nämlich sollte der gesamte Komplex gesprengt werden. Die dafür erforderlichen Bohrungen sind im Wandsockel des Maschinenhauses noch zu sehen. Erst in letzter Minute konnte der Abriss verhindert werden. 1995 fiel die Entscheidung, die Gebäude nach entsprechender Sanierung für ein Industriemuseum zu nutzen. Heute ist Chemnitz einer von vier Standorten des Zweckverbands Sächsisches Industriemuseum.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 1-3 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 90 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Dienstag -  Sonntag, Feiertage 10.00-18.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder