Sächsisches Industriemuseum | Energiefabrik Knappenrode

Schon aus der Entfernung leuchtet der rote Backstein der 100 Jahre alten Brikettfabrik in Knappenrode. Sie ist das Herz des heutigen Museums Energiefabrik Knappenrode und gleichzeitig in ihrer Größe ein außergewöhnliches Ausstellungsstück. Auf einzigartige Weise scheint hier der Moment der Stilllegung im Jahr 1993 konserviert zu sein. Hammermühlen, Tellertrockner und Pressen sind Zeitzeugen einer vergangenen Ära, in der die Fabrik das Leben der Ortsbewohner bestimmte. Über den Treppenturm taucht der Besucher in diese Zeit ein und bekommt einen Eindruck von der Arbeit. Über sieben Etagen führt der FabrikErlebnisRundgang vorbei an imposanten Maschinen und begleitet den Weg der Kohle mit historischen Fotos und authentischen Interviews. Mit Pfeifen der Schichtsirene erwacht die Fabrik dreimal am Tag akustisch zum Leben. Dann rattert und lärmt es in den jetzt still gewordenen Hallen als wäre die Arbeit nie eingestellt worden.

In Sachsens größter Ofen- und Feuerstättenausstellung „Heiß geliebt“ sieht man, wo die Briketts zum Einsatz kamen. Die Ausstellung zeigt 120 Öfen und Herde aus vier Epochen und sieben Ländern und erzählt damit die Geschichte des Heizens, Wohnens und Arbeitens.

In der Ausstellung „Als Knappenrode noch Werminghoff hieß“ kann man selbst Bauherr einer Fabrik werden und verfolgt die bewegten Anfänge von Ort, Fabrik und Kohlegrube. Denn ohne die Kohle hätte es die Fabrik nicht gegeben und ohne die Fabrik kein Knappenrode.

Andere Fabrikgebäude zeigen Grubenfeuerwehr-Oldtimer, eine historische Schlosserei sowie Bernstein, Achate und mehr – glitzernde Zufallsfunde aus dem Braunkohletagebau. Der alte Umschlagbahnhof bietet Eisenbahngeschichte zum Anfassen und ein Förderturm samt Schaustollen demonstriert die Entwässerungstechnik einer Braunkohlegrube. Auf der Findlingspyramide oder im Labyrinth mit Tunnelrutsche können sich Groß und Klein noch austoben.

Sächsisches Industriemuseum | Energiefabrik Knappenrode
Ernst-Thälmann-Straße 8
02977 Hoyerswerda
Saxony
Deutschland
+49 (0) 3571 - 604267
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Geschichte

Sumpf, Heide, Kiefernwälder: Das war die Lausitz um 1850. Doch mit dem Fund von Braunkohle wurde die gesamte Region umgekrempelt – Fabriken schossen wie Pilze aus dem Boden. Eine der modernsten Brikettfabriken ließ die Eintracht Braunkohlenwerke und Brikettfabriken AG unter Leitung des preußischen Großindustriellen Joseph Werminghoff 1914 in der Nähe von Hoyerswerda erbauen. Die Produktion begann im Oktober 1918, wenig später folgten zwei erweiternde Fabrikbauten mit der damals modernsten Technik.

Mit der Fabrik kamen die Menschen aus tschechischen, polnischen und deutschen Bergbaugebieten. Und die Eintracht AG sorgte für sie – die Werkssiedlung Werminghoff entstand vor den Fabriktoren. Kaufhaus, Gasthaus, Kulturhaus, Bahnhof: Das Unternehmen sorgte für alles und bestimmte Inhalt und Rhythmus des Lebens. Selbst die Erde, in der die Menschen begraben wurden, gehörte dem Werk.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fielen Technik und Maschinen den russischen Reparationsforderungen zum Opfer. Die Fabrik wurde vollständig demontiert. Doch schon im Mai 1948 nahm die erste Brikettpresse ihre Arbeit wieder auf. Das Werk hieß nun Glückauf, die im Laufe der Jahre angewachsene Werkssiedlung bekam den Namen Knappenrode. 1965 erreichte die Fabrik mit mehr als anderthalb Millionen Tonnen Briketts ihre höchste Jahresleistung. Danach blieb die notwendige Modernisierung aus, die Maschinen veralteten zusehends und permanente Engpässe in der Ersatzteilbeschaffung machten das Werk schon zu Lebzeiten zum Museum. Heute erweist sich das als Glücksfall. Denn als 1993 die letzte Schicht ihren Dienst beendete, hinterließen die Arbeiter nicht nur den Geruch frisch gepresster Briketts, sondern auch – europaweit einzigartig – eine fast lückenlose Folge historischer Brikettier-Technik. Mittlerweile präsentiert sich das sorgfältig restaurierte Fabrikensemble als imposantes und vielseitiges Industriemuseum.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 2-3 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 60 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Dienstag - Sonntag und Feiertage 10.00-18.00 Uhr
Geländeführung an Wochenenden und Feiertagen um 11.00 und 15.00 Uhr
Akustik-Schicht 12.00, 14.00 und 16.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder