Museum der Arbeit

Telefon, Glühbirne, Fotoapparat: Was heute selbstverständlich ist, war um 1900 eine Revolution. Doch der technische Fortschritt hatte seinen Preis. Das zeigt etwa das Spuckfläschchen für Tuberkulosekranke – Ausdruck der armseligen Arbeits- und Lebensbedingungen in den damaligen Großstädten. Im Hamburger Museum der Arbeit, beheimatet in einer ehemaligen Gummiwarenfabrik, steht vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Wie hat die Industrialisierung den Alltag der Menschen verändert? Antwort darauf geben verschiedene Werkstätten und Wohnungseinrichtungen, Maschinen und Anlagen, Werkzeuge und Haushaltsgegenstände. Dabei ist auch der Besucher gefordert: An Druckmaschinen kann er mit Hilfe von gelernten Setzern kleinere Drucksachen herstellen oder an alten Metallpressen aus Kupferblech Medaillen prägen.

Spannende Einblicke versprechen überdies die Außenposten des Museums, das Hafenmuseum sowie das Speicherstadtmuseum in der Speicherstadt mit ihrer charakteristischen norddeutschen Backsteingotik. Dort, nahe dem Hamburger Hafen, lagerten einst Kaffee, Kakao und andere wertvolle Importgüter. Führungen und Verkostungen machen die Welt dieses traditionsreichen Handelsplatzes wieder lebendig.

Geschichte

"Parlograph“, das klingt fast poetisch. So hieß das Diktiergerät zu einer Zeit, als es noch Kaufmannskontore und Handlungsgehilfen gab. In einer Hafenstadt wie Hamburg verdienten die ihr Geld häufig mit Rohstoffen aus Übersee. Einer davon war Naturkautschuk, und eine der Firmen, die damit groß wurden, war die New-York-Hamburger Gummi-Waaren Compagnie. Gegründet wurde sie 1871 im Stadtteil Barmbek und wuchs schnell zum Großbetrieb heran. Dieser Entwicklung setzten erst Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg ein Ende, das Unternehmen siedelte daraufhin nach Harburg über. Zurück blieb eines der ältesten noch existierenden Fabrikensembles Hamburgs – eine verfallende Industrieruine, sporadisch genutzt von kleineren Betrieben und einem Stadtteilkulturzentrum. 1982 kam der Ort erstmals für ein Museum der Arbeit ins Gespräch, zehn Jahre später begannen die Sanierungs- und Umbaumaßnahmen. Das ehemalige Kesselhaus von 1896 nahm die Werkstätten des Museums auf, die Sammlungen residieren in der 1908 errichteten Neuen Fabrik, deren drittes, neu aufgestocktes Geschoss für Wechselstellungen reserviert ist. Seit der Eröffnung 1997 erleben die Besucher ein Museum, an dessen historischen Maschinen immer noch gearbeitet wird und in dem jeder selbst Hand anlegen kann. Ziel dabei ist es, mit der Technik auch die Arbeitswirklichkeit einzufangen.

Auf dem Museumshof steht TRUDE, die mit 14,3 m Höhe wohl größte und gefräßigste Dame Hamburg. Das 380 t schwere Schneidrad des Bohrers für die 4. Elbtunnelröhre hat beim Graben der 2560 m langen Tunnels ca. 400 000 Kubikmeter Erde verdaut. 

Das Museum hat zwei Außernstellen: das Hafenmuseum sowie das Speicherstadtmuseum. Hinter den neugotischen Fassaden der um 1900 errichteten Speicherstadt verbergen sich moderne Errungenschaften wie Eisenskelettbau, hydraulischer Windenantrieb oder elektrische Beleuchtung. Zugleich war der Arbeitsalltag geprägt von dem erprobten Zusammenspiel zweier heute ausgestorbener Berufe: Die Quartiersleute lagerten die Waren im Auftrag der Händler fachmännisch ein, die Ewerführer sorgten mit ihren Lastkähnen für den reibungslosen Güterverkehr zwischen Schiff und Speicherhaus. Wie, das zeigt das Speicherstadtmuseum auf vielfältige Weise.

Das Hafenmuseum zeigt am Hansahafen rund um den historischen Kaischuppen 50A und dem Schaudepot den Wandel des Hamburger Hafens vom Stückgut- zum Containerumschlug.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 2 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 60 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Museumsshop: ja

Museum der Arbeit:
Montag 13.00-21.00 Uhr
Dienstag bis Samstag 10.00-17.00 Uhr
Sonntag, Feiertage 10.00-18.00 Uhr

Speicherstadtmuseum:
Montag - Freitag 10.00-17.00 Uhr
Samstag, Sonntag 10.00-18.00 Uhr

Hafenmuseum:
April bis Oktober
Dienstag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder