Musée les Mineurs Wendel | La Mine Wendel

Allein die schiere Masse der Zentralhalde läßt erahnen, was hier einmal los war. Im Norden erhebt sich die kahle Front eines Sandsteinbruchs, der einst das Füllmaterial für die unter Tage abgebauten Flöze lieferte. Zwei riesenhafte Bauwerke, die Kohlenwäsche für Koks- und Kesselkohle, drängen sich dem Auge auf. Daneben, dazwischen verlieren sich ganze Bündel von Gleisen im grasüberwachsenen Nirgendwo. Die Größenordnung der Gebäude, die Dichte und Ausdehnung des Eisenbahnnetzes, das himmelhohe Haldengebirge, die insgesamt vier Fördergerüste mit ihren Schacht- und Maschinenhallen und den Magazinen und Werkstätten in ihrer Mitte – all das macht unmittelbar greifbar, was das bedeutete: Großindustrie! Schwerindustrie! Hier, in der mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Grubenanlage Wendel-Vuillemin, pulsierte rund 120 Jahre lang eine der Hauptschlagadern des lothringischen Kohlebeckens. Ein vor Ort eingerichtetes Museum greift diese Vergangenheit auf und erzählt auf anschauliche Weise, wie die Zeche Landschaft und Menschen verändert hat. Manchmal fahren auf dem Gelände sogar noch Züge – ein wieder aktivierter Lokschuppen macht es möglich.

Musée les Mineurs Wendel | La Mine Wendel
F 57540 Petite-Rosselle
Moselle
Lothringen
Frankreich
+33 (0) 387 - 870854
Homepage

Geschichte

Industrie hat in dem ausgedehnten Waldgebiet beiderseits der saarländisch-lothringischen Grenze eine lange Tradition. Seit dem 16. Jahrhundert siedelten sich hier zahlreiche Glashütten an. Sobald die Waldbestände der Umgebung verheizt waren, zogen sie weiter. Die meisten Orte der Region sind so entstanden, auch Petite-Rosselle. Heute ist der Name aufs engste mit der Zeche Wendel-Vuillemin verbunden, auch Carreau Wendel genannt. Mit ihrem beeindruckenden Ensemble aus Förderschächten, Kohlewaschanlagen, einem Kraftwerk und dem weit ausgedehnten Schienennetz bietet sie das Bild einer Industrielandschaft par excellence. Architektonisch erscheint Carreau Wendel auf den ersten Blick als ein typisches Bergwerk aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen: Stahl- und Stahlbetonfachwerk überwiegen, ausgekleidet mit aus Grubenbergen oder Hochofenschlacke gebrannten Klinkern. Tatsächlich beginnt die Geschichte des Bergwerks jedoch deutlich früher. Die entscheidende Wendung nimmt sie Mitte des 19. Jahrhunderts, als die französische Fabrikantendynastie de Wendel den Zechenbetrieb in ihr Familienimperium eingliedert und zum Großunternehmen ausbaut. Und das, obwohl in der Folgezeit das lothringische Kohlebecken wechselweise zum Deutschen Reich und zu Frankreich gehört. 1945 wird Carreau Wendel – nunmehr endgültig auf französischem Gebiet – verstaatlicht. In den 1960er Jahren erreicht die Zeche eine tägliche Förderleistung von immensen 5000 Tonnen und beschäftigte rund 5000 Mienenarbeiter. 1986 waren die zugänglichen Kohlenvorräte endgültig erschöpft, das Bergwerk schloß seine Tore. Die meisten seiner Tagesanlagen stehen seit dem 11. Dezember 1998 auf der Zusatzliste der französischen Baudenkmäler. Wenige Tage später schufen die Gemeinden im Osten und im Zentrum des Kohlenreviers einen Zweckverband zur Gründung und zum Betrieb eines gemeinsamen Bergbaumuseums vor Ort. Seit 2001 ist Carreau Wendel staatlich anerkanntes Industriemuseum.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 1,5 Stunden
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Dienstag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen