LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt

Surrende Transmissionsriemen, ratternde Webstühle, der Geruch nach Öl und Arbeit: Im Industriemuseum TextilWerk in Bocholt herrscht ein Betrieb wie in einer Baumwollweberei des frühen 20. Jahrhunderts. Die rekonstruierten Klinkergebäude  folgen historischen Vorbildern der Region: Kesselhaus und Shedhalle, Werkstatt und Kontor, auch die komplett eingerichtete Arbeiterwohnung mit frisch bezogenen Betten, Nachtopf und blühendem Gemüsegarten hinterm Haus. Die Maschinen, allen voran die Dampfmaschine anno 1917, sind sämtlich Originale. Beim Rundgang lernen die Besucher den Fabrik- und Arbeitsalltag "aus erster Hand" kennen. Sie verfolgen jeden Arbeitsschritt vom Garn bis zum gewebten Endprodukt, schauen den Museumsmitarbeitern beim Spulen, Zetteln und Passieren über die Schulter und werden Zeuge, wie Jacquardwebstühle aus verwirrend vielen Fäden vorprogrammierte Muster weben. Die so hergestellten Handtücher und Tischdecken liegen im Museumsladen zum Verkauf aus. Ganz andere Akzente setzt die zum Museumskomplex gehörende historische Spinnerei Herding, die sich als begehbares Magazin, Ort für Wechselausstellungen und für textile Kunst sowie als lebendiges Kulturforum präsentiert.

Geschichte

Wer würde beim Anblick der Weiden und Felder vermuten, dass das Westmünsterland einmal einer der wichtigsten Standorte der deutschen Textilindustrie war? Weber, Spinner, Bleicher, Färber und Drucker besetzten hier zeitweise bis zu 10.000 Arbeitsplätze. Das 1989 eröffnete Textilmuseum Bocholt trägt als einer von acht Standorten des LWL-Industriemuseums dieser historischen Bedeutung Rechnung. Der Nachbau des alten Websaals der Gebrüder Essing in Rhede ist ausgestattet mit original erhaltenen Maschinen und entwirft eine Welt, wie sie bis zum Zweiten Weltkrieg charakteristisch für die Region war. Der rekonstruierte Gebäudekomplex umfasst auch das Arbeiterhaus eines Textilmeisters, der nach einem Tag voller Staub, Lärm und Öl den bescheidenen Wohlstand einer einfachen, aber mit allem Notwendigen ausgestatteten Behausung genoss - Gemüsegarten und Stall eingeschlossen. Für Leben sorgen die Museumsmitarbeiter: An den ratternden Webstühlen demonstrieren sie, wie der unerbittliche Takt der Maschinen nicht nur die Produktion, sondern auch das Leben der Fabrikarbeiter bestimmte.

1870 entstand am gegenüberliegenden Ufer des Flusses Aa die Weberei Herding. Mit deren Erweiterung um eine repräsentative Spinnerei beauftragten die selbstbewussten Bocholter Fabrikanten 1907 die europaweit tätigen Schweizer Architekten Sequin und Knobel. Amerikanische Webautomaten und 23.000 Baumwollspindeln machten die Firma bald zu einem der modernsten Betriebe in der Region. Die textile Produktion endete 1973, danach folgten Lagernutzung und Leerstand. Seit 2011 verhilft ein neuartiges Konzept dem alten Industriebau als zweitem Teil des Museums an der städtebaulich wichtigen Nahtstelle zwischen Innenstadt und begrünten Aa-Promenaden zu neuem Leben. Unter Leitung des renommierten Stuttgarter Architekturbüros Atelier Brückner entstand aus der Spinnerei eine „Fabrik für Kultur“. Spuren der früheren Nutzung - technische Einbauten, Industrieböden, Putze, Farbschichten - verbinden sich mit Wechselausstellungen, Veranstaltungen und Gastronomie zu einem Forum für Kunst, Kultur und Kreativität.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 2 Stunden
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Dienstag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder