Energiemuseum santralistanbul

Helles Tageslicht flutet durch großzügige Bogenfenster in einen Saal, der sich selbstbewusst als Kathedrale der Technik inszeniert: Schaltpulte wie Altare, manche von ihnen schrankhoch, andere im Halbrund aufgestellt, als ahmten sie einen sakralen Chorraum nach. Von hier öffnet sich der Blick auf eine weite Maschinenhalle mit vier ebenso gewaltigen wie betagten Turbogeneratoren der Marken AEG, Brown Boveri, Siemens und Thomson Houston. Dass das ehemals osmanische Kraftwerk Silahtarağa am Goldenen Horn von Istanbul noch so unversehrt steht, ist seiner behutsamen Restaurierung zu verdanken. Heute logiert in seinen Mauern das Energiemuseum von santralistanbul. So nennt sich das 2007 an Ort und Stelle eröffnete Campus der privaten Bilgi-Universität. Im Untergeschoss des Museums laden interaktive Installationen zu „energiegeladenen“ Experimenten ein. Gleich nebenan erhebt sich der Neubau eines Museums für Zeitgenössische Kunst. Das übrige Kraftwerksgelände ist von Grünanlagen geprägt und beherbergt u. a. Lehr- und Verwaltungseinrichtungen der Universität, mehrere Restaurants und eine Openair-Arena mit Seebühne am Ufer des Goldenen Horns.

Energiemuseum santralistanbul
Eski Silahtarağa Elektrik Santrali
Kazım Karabekir Cad. No: 2 Eyüp
34060 Istanbul
Türkei
+90 (0) 212 - 3117809
Homepage

Geschichte

„Tate alla turca“ ist einer der griffigen Titel, die den Universitäts- und Kulturcampus santralistanbul schmückten, noch bevor er Eröffnung feierte. Wie im Fall der Londoner Tate Modern dient auch hier ein ehemaliges Kraftwerk als Ausgangspunkt einer musealen Umnutzung. Allerdings stand dabei dank deutscher Expertise der Erhalt des Industriedenkmals im Vordergrund. Mit Ausnahme eines Besucherlaufstegs und erdbebensicherer Stahlverstärkungen präsentiert sich die einstige Maschinenhalle noch genauso wie zur Zeit ihrer Nutzung.

Die Inbetriebnahme des ursprünglich ersten Kraftwerks des Osmanischen Reichs fällt in das Jahr 1914. Bis 1952 bezog Istanbul seine Elektrizität allein aus dieser Quelle. 1956 erreichte die Leistung des Kraftwerks mit 120.000 Kilowatt ihren Höhepunkt. Danach ging die Energieproduktion mehr und mehr zurück, bis der Betrieb am 18. März 1983 endgültig eingestellt wurde. Jahrzehntelang lag die Anlage brach, bevor sie 2004 in den Besitz der Istanbuler Bilgi-Universität überging. Mit dem santralistanbul-Campus verfolgen die neuen Eigentümer das Ziel, ein bis dahin vernachlässigtes Stadtviertel wiederzubeleben. Kulturelle Events, hochkarätige Ausstellungen, Museumsworkshops für alle Altersgruppen, Unterkünfte und Arbeitsräume für Künstler sowie die universitäre Nutzung sollen den Komplex zu einem Zentrum gemeinsamer Kunst- und Lernerfahrungen machen. Die industriellen Wurzeln des Ortes macht das Energiemuseum anschaulich. Mit seiner Eröffnung im Jahr 2007 feierte die Türkei zugleich ihr erstes Industriemuseum überhaupt. Zu dessen Glanzstücken zählt ohne Zweifel die Schaltzentrale. Gemeinsam mit den Generatoren der einstigen Maschinenhalle steht sie für ein betont dokumentarisch orientiertes Restaurierungs- und Museumskonzept. Das nimmt sich ganz bewusst zurück, um die monumentale Wirkung des gut erhaltenen Industrieensembles möglichst unverfälscht zur Geltung zu bringen. Computerterminals sorgen zugleich dafür, dass niemand auf Hintergrundinformationen verzichten muss.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 2 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 45 Minuten
Eintritt: frei
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

täglich 09.00-18.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder