Deutsches Uhrenmuseum | Deutsche Uhrenstraße

Zu jeder vollen Stunde wiederholt sich dasselbe Schauspiel. Der Mechanismus des Schlagwerks schiebt das Holzvögelchen in Position und hebt zugleich zwei kleine Blasebälge an, deren Luft anschließend durch zwei Lippenpfeifen entweicht: Kuckuck. Seit rund 300 Jahren beliefert der Schwarzwald die Welt mit handgefertigten Kuckucksuhren. Aber auch andere Uhren wurden hier gleich massenweise produziert, vom Wecker bis zur Parkuhr. Wie sehr das alteingesessene Gewerbe die Region prägt, zeigt die Deutsche Uhrenstraße. Sie vereint so unterschiedliche Attraktionen wie das „Uhrmacherhäusle“ in Vöhrenbach mit dem Uhrenindustriemuseum in Schwenningen, das mit seinen vielfach noch funktionstüchtigen Maschinen Geschichten aus dem Fabrikalltag anno 1900 erzählt. Und wer will, kann unterwegs einem Kuckucksuhrmacher bei der Arbeit zusehen. Eine umfassende Gesamtschau der regionalen Uhrmacherei bietet schließlich das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen. Seine 150-jährige Sammlung von Schwarzwalduhren ist weltweit die umfassendste ihrer Art und zeichnet im Verein mit einem reichen Bestand an internationalen Uhren ein facettenreiches Bild von Geschichte und Technik rund um das Phänomen Zeit.

Deutsches Uhrenmuseum | Deutsche Uhrenstraße
Robert-Gerwig-Platz 1
78120 Furtwangen
Deutschland
+49 (0) 7723 - 9202800
Homepage

Geschichte

Die Vielfalt der historischen Schwarzwälder Figurenuhren kennt keine Grenzen. Sie zeigen kauende Knödelesser, Liebespaare mit rollenden Augen oder patrouillierende Schildwachen. Andere Modelle lassen Wachtelrufe, Hahnenschreie oder Kuckuckstöne erklingen. Durchgesetzt haben sich allein die Kuckucksuhren. Die stammen vermutlich gar nicht aus dem Schwarzwald, doch haben sie von dort aus ihren Siegeszug durch die Welt angetreten.

Überhaupt nahmen die Schwarzwälder Uhrmacher von Anfang an den Weltmarkt ins Visier. Bereits zwischen 1700 und 1800 gingen Millionen Holzuhren in den Export. Danach allerdings drängten technologische Fortschritte und der Wandel des Geschmacks die häuslichen Kleinbetriebe der Region in die Defensive. Zwar waren Meister, Geselle und Lehrling einer Heimwerkstatt um die Mitte des 19. Jahrhunderts in der Lage, in einer Woche 18 Uhren ähnlicher Bauart zu fertigen. Dennoch geriet die Schwarzwälder Uhrmacherei in die Krise. Um die Produktion zu vereinheitlichen, entstand 1850 die “Großherzogliche Badische Uhrmacherschule Furtwangen“. Das Ergebnis waren zunächst kunstgewerbliche Kleinfabriken, die sich auf Uhren für gehobene Ansprüche spezialisierten. Die Zukunft jedoch gehörte Firmen wie Junghans oder Mauthe, die auf US-amerikanische Methoden setzten und mit ihrer Massenfabrikation von Großuhren und Metallweckern international Maßstäbe setzten. Die Zahl dieser Erzeugnisse erreichte zwischen 1880 und 1980 Hunderte Millionen. Mit der Entwicklung der preisgünstigen Quarzuhr – ebenfalls eine Schwarzwälder Errungenschaft, die seit den 1970er Jahren den Massenmarkt eroberte – überschritten die Produktionsmengen gar die Milliardengrenze. Erst der rapide Preisverfall hat der rasanten Entwicklung ein Ende gesetzt.

Heute ist die Uhrenproduktion im Schwarzwald nur noch ein Nischenprodukt. Viele Unternehmen in der Region nutzen jedoch das Know-how für moderne Produkte etwa in der Mikro- und Medizintechnik oder in der Kunststoff verarbeitenden Industrie.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 1,5 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 60 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

April bis Oktober:
täglich 09.00-18.00 Uhr

November bis März:
täglich 10.00-17.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder