Jochen Tack, Stiftung Zollverein

„Wandel mit Wirkung“: Regionale Industriekultur als gesamteuropäisches Erbe

Noch bis zum 15. Oktober zeigt eine Ausstellung im UNESCO-Welterbe Zollverein den Wandel industrieller Regionen in EuropaNoch bis zum 15. Oktober zeigt eine Ausstellung im UNESCO-Welterbe Zollverein den Wandel industrieller Regionen in Europa

Die Präsentation „Wandel mit Wirkung“, die von der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH) gemeinsam mit der Stiftung Zollverein erarbeitet wurde, richtet den Blick auf regionale Industriedenkmäler und Museen. Die Informationstafeln stellen sechs regionale ERIH-Routen von der Lausitz bis Katalonien vor und zeigen, wie selbst kleinere Industrieanlagen die geografische und soziale Landschaft verändert haben. Gleichzeitig erlebt der Besucher, wie eng die einzelnen Standorte miteinander verknüpft sind und so zur Vielfalt der europäischen Industriekultur beitragen.

„Die Orte der Industriekultur sind heute lebendige Kulturzentren mit hohem Magnetcharakter für die Menschen“, sagte ERIH-Präsident Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig zur Eröffnung der Ausstellung vor 60 Gästen aus dem In- und Ausland. In einer moderierten Gesprächsrunde diskutierten ERIH-Vertreter anschließend den touristischen Mehrwert der Industriekultur für die vorgestellten Regionen. Der Erfahrungsaustausch brachte zum Ausdruck, welche Möglichkeiten ERIH-Regionalrouten bieten, um Industriedenkmäler und -museen für Besucher attraktiv zu machen.

Der Ausstellung liegt insbesondere daran, über Regions- und Landesgrenzen hinauszublicken. Denn die Industrialisierung war nie ein nationales Phänomen, sondern fand in ganz Europa statt. Jede Industrieregion hat dabei ihre besonderen Merkmale. Südwales etwa gilt als erste Industrieregion der Welt: Mitte des 19. Jahrhunderts arbeiteten dort mehr Menschen in Zechen und Fabriken als in der Landwirtschaft. Bergbau war und ist auch der führende Industriezweig in Schlesien, während Holland die Technik der Landgewinnung zur Perfektion entwickelt hat. In Katalonien blühte die Textilindustrie, die Lausitzer Landschaft wühlten gigantische Braunkohletagebaue um und der Erzberg in der Steiermark ist bis in die Gegenwart ein Zentrum des Erzabbaus und der Verhüttung.

Regionale Routen, wie sie in der Ausstellung „Wandel mit Wirkung“ präsentiert werden, setzen die einzelnen Standorte zueinander in Beziehung und halten die Erinnerung an die Zeit der Industrialisierung wach. Auf diese Weise wird jedes Industriedenkmal zu einem Mosaikstein in Europas industriellem Erbe. Die Mehrzahl heutiger Industriekultur-Standorte hat diesen internationalen Aspekt der Industrialisierung noch nicht im Blick. Das will ERIH ändern – mit dieser Ausstellung und mit vielen weiteren Aktionen, die ERIH anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 (ECHY 2018) entwickelt.

„Die Ausstellung macht große Lust, dem touristischen Ruf der Industriekultur zu folgen und unser europäisches Erbe zu erleben“, schloss der ERIH-Präsident seine Eröffnungsrede. Den Rahmen der Präsentation bildet das Portal der Industriekultur auf Schacht XII. Die neuen Informationstafeln, die am 31. August auf Zollverein eingeweiht wurden, werden künftig gezeigt, wenn keine Sonderausstellung in dem zum Ausstellungsraum umgebauten Rundeindicker zu sehen ist.

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